Zum Beispiel: Gewürze

Schätzungsweise 700 g Gewürze verbraucht jeder Deutsche durchschnittlich pro Jahr, auf Platz eins steht dabei unangefochten der Pfeffer. Wie Nelken, Muskatnuss, Ingwer, Kurkuma, Zimt, Chili, Kardamom, Kreuzkümmel und Vanille hat er seinen Ursprung auf der Südhalbkugel der Erde. Auch Indien und Sri Lanka gehören zu den wichtigen Exportnationen im Gewürzhandel.

Von den Gewürzen und Gewürzmischungen, die in Deutschland mit dem Fairtrade-Siegel im Handel sind, stammen die meisten aus Sri Lanka. Dort werden sie unter ökologischen Bedingungen im Mischkulturen zusammen mit Mangos, Brotbäumen, Kaffee, Zuckerpalmen, Auberginen und anderen Gemüsen angebaut. Die Be- und Verarbeitung von Pfeffer, Nelken, Muskatnuss, Kurkuma, Ingwer und Chilis erfolgt in Handarbeit, nach der Ernte und der Reinigung werden die wertvollen Pflanzenteile getrocknet bevor sie für den Export verpackt werden.

Besonders aufwändig ist die Herstellung von Vanille. Die tropische Orchidee, die sich mit langen Ranken an Urwaldbäumen emporwindet, ist ursprünglich in Mexico beheimatet, wo eine besondere Bienen-Art auf die Bestäubung ihrer Blüten spezialisiert ist. Weil zwar die Pflanze auch in anderen tropischen Ländern gedeiht, dort jedoch die Bienen fehlen, müssen die Vanille-Bauern die wertvollen Blüten von Hand bestäuben. Im weltweiten Vanille-Handel sind Madagaskar, Indien, Indonesien und Uganda die wichtigsten Exportnationen, doch auch in Sri Lanka werden Vanille-Schoten geerntet. Indische und sri-lankische Vanille mit dem Fairtrade-Zeichen ist bislang in Deutschland nur als Gewürz in der Fairtrade-Eiscreme von „Ben & Jerry’s“ auf dem Markt. Auch die Vanille-Pflanze gedeiht am besten in schattigen Mischkulturen, oft wird sie daher zusammen mit Kaffee-Pflanzen angebaut. Seit dem Jahr 2006 ist jedoch eine Neu-Züchtung auf dem Markt: Diese neue Vanille-Pflanze kommt auch ohne Schatten aus und kann deshalb mit weniger Aufwand und auf sonnigen Flächen angebaut werden. Während sich Kleinbauern solche Pflanzen allerdings oft nicht leisten können, werden anderswo, auch um den Preis von Rodungen und Bodenerosion, große Vanille-Plantagen angelegt. Seit Jahren schon sinkt der Weltmarktpreis für Vanille und die Ausweitung der Produktion mithilfe der sonnen-resistenten Pflanzen trägt dazu bei. In der Folge sinken die Einkommen der Bauern, was die Kleinbauern besonders hart trifft. Die Handelsorganisationen des Fairen Handels kaufen Vanille und andere Gewürze gezielt bei Kleinbauerngenossenschaften.

Derzeit profitieren die Gewürzbauern dreier Kleinbauernzusammenschlüsse von ihrer Partnerschaft mit dem Fairen Handel: Sie alle erhalten einen gerechten, den Produktions- und Lebenshaltungskosten angepassten Preis für ihre in der Welt so begehrten Produkte. Die Bauern und ihre Familien haben Zugang zu Bildung und medizinischer Versorgung, gemeinschaftliche Projekte können mithilfe der Fairhandelsprämie finanziert werden. So richtete etwa die Initiative Gami Seva Sevana, in der Tamilien, Singhalesen und Christen zusammen arbeiten, einen Sparfonds für die Familien ein und entschloss sich, gemeinsames Vieh zur Versorgung aller mit Milch und Humus anzuschaffen.