Metropolen

In den Ohren vieler klingt „Metropole“ verheißungsvoller als „Großstadt“. Der unscharfe Begriff Metropole ist schillernder und oft wird mit ihm eine Stadt in Verbindung gebracht, die über ihr Umland hinaus auf den Rest der Welt abstrahlt und anziehend wirkt. Häufig schwingt in der Bezeichnung Metropole Faszination für einen Ballungsraum mit: Diese Stadt verheißt Eleganz, Offenheit, ein pulsierendes Leben oder ein nächtliches Lichtermeer. Ein nicht unbeträchtlicher Teil der urbanen Anziehungskraft entsteht dabei im Kopf: Das Leben in einer quirligen Metropole mit „flüssigerer“ Gesellschaftsstruktur verspricht Chancen auf Erfolg, Selbstverwirklichung oder schlichtweg ein besseres Leben. Dem Glanzbild stehen von tiefer Skepsis geprägte, finstere Stadtvorstellungen gegenüber, die in Europa mit dem Wachstum der Metropolen im 19. und 20. Jahrhundert kultiviert wurden: Vergleiche der Stadt mit Sumpf, Moloch oder Beton-Dschungel sind auch heute noch geläufig. Sie legen nahe, dass das Großstadtleben nur abträglich für den allgemeinen Zustand und insbesondere die Moral der Metropolenbewohner sein kann.

  • Auch Forscher gehen dem Mythos Metropole nach und legten Merkmale fest, über die eine Weltstadt verfügen sollte. Was Metropolen haben sollten sind/ist zum Beispiel
  • mehrere Millionen Einwohner, die arbeitsteilig zusammenleben
  • eine „magnetische“ Anziehungskraft auf Menschen und Kapital
  • ein markantes Aussehen, das beispielsweise gekennzeichnet ist von einer prägenden Silhouette (Skyline) oder aufwändigen Infrastrukturen (z. B. U-Bahnnetz)
  • Innovationskraft. Als Orte des Wandels und Fortschritts sind Metropolen Pioniere: hier wird heute ausprobiert, was morgen auch von anderen als neue Form der Arbeit, der Freizeitgestaltung oder des Zusammenlebens übernommen wird. Bringt es die Innovationsfreude zu besonderer Blüte, kann eine Stadt Zentrum einer Epoche sein, wie Berlin in den Goldenen Zwanziger Jahren oder New York während der Pop-Art-Ära.

Wegen ihrer Anziehungskraft sind Metropolen außerdem Ziele für Zuwanderer, die eine hohe ethnische, soziale und kulturelle Vielfalt einbringen. Weil sich die Bewohner ständig mit dem Fremden und Neuen auseinandersetzen (müssen), bieten sie einerseits Minderheiten tendenziell mehr gesellschaftliche Akzeptanz. Andererseits können Metropolen wegen der Unterschiede zwischen ihren Bewohnern anfälliger sein für Reibereien, Krisen oder das Ausschließen bestimmter Gruppen.