Mega- und Metacities

Moderne Boom-Städte sprengen den Rahmen klassischer Metropolen, weshalb sie Mega- und Metapole oder Mega- und Metacities genannt werden. Die Entwicklung solcher Riesenstädte ist kaum planbar, was sie zu einer relativ unberechenbaren Form von Ballungsraum macht. Mit mehr als zehn Millionen Menschen ist die Einwohnerzahl einer Megacity sehr hoch. Erreicht eine Stadt bzw. Metropolenregion sogar mehr als 20 Millionen Bewohner, spricht man von einer Metacity. Ein Beispiel ist Mexiko-Stadt, das aus mehreren miteinander verschmolzenen Städten besteht und mehr als 25 Millionen Einwohner hat. Die eilig wachsenden Megacities liegen vorwiegend in Schwellen- und Entwicklungsländern: Shanghai (China), Kalkutta (Indien), Bombay (Indien), Buenos Aires (Argentinien), Nairobi (Kenia) oder Teheran (Iran). Allerdings werden die gigantischen Metropolen künftig voraussichtlich nicht mehr am stärksten zur globalen Urbanisierungsrate beitragen: Experten gehen davon aus, dass in Zukunft eher kleinere Ballungsräume mit weniger als einer Million Einwohnern Hauptschauplätze der Verstädterung sein werden.

Angesichts der neuen Zentren meinen einige Stadtforscher, dass europäische Großstädte ihren Zenit überschritten haben und ihre Innovations- und damit Strahlkraft unter anderem wegen ihrer alternden Gesellschaften versiegen werde. Die dynamischen Riesenstädte hätten hingegen schon wegen ihrer im Schnitt deutlich jüngeren Bewohner das Potenzial, künftig tonangebend zu sein. Ein weiterer wesentlicher Unterschied zu westlichen Großstädten ist ihr hoher Bevölkerungsanteil mittelloser Menschen: Bis zur Hälfte der Einwohner in Mega- oder Metacities lebt in Elendssiedlungen. Noch ist nicht abzuschätzen, was diese Vielzahl armer Bewohner auf längere Sicht für diese Städte bedeuten wird.