Squatter

Squatter sind die ärmlichste Form städtischen Siedelns. Squatter-Areale kennzeichnet ein Wildwuchs selbstgezimmerter Hütten, manche Unterkünfte ähneln einfachen Unterständen. Eine Squatter-Siedlung entsteht „spontan“, wenn mehrere Familien nebeneinander auf einer Brache, einem Bahngelände, in einem Park, auf einer Straßen oder unter einer Brücke ihr Lager aufschlagen, das anfangs oft nur aus einem simplen Regenschutz besteht. Da die Bewohner von Squattern kaum die Möglichkeit haben, Vehikel zu nutzen, entstehen die Siedlungen bevorzugt in fußläufiger Entfernung zu möglichen Arbeitsplätzen.

Neben Bewohnern eigener Unterkünfte gibt es Mieter, Untermieter oder Einwohner fremder Squatter, die keine Miete zahlen. Squatter können auch auf dem Wasser mit einem Boot oder Floß errichtet werden. Sie haben gemeinsam, dass sie nur geringste Anforderungen an eine Behausung erfüllen. Ihr größtes Problem sind dabei die hygienischen Missstände: Falls es keine selbst organisierte Müllentsorgung gibt, verbrennen die Einwohner von Squatter-Siedlungen ihren Unrat oder werfen ihn irgendwo hin. Zum Beispiel landet er auf Dächern oder häuft sich mitten in der Siedlung an. Typischerweise fehlen gesundheitlich akzeptable Toiletten, von geschlossenen Abwassersystemen ganz zu schweigen. Betroffene behelfen sich beispielsweise mit „flying toilets“, die man insbesondere mit den Elendssiedlungen in Nairobi in Verbindung bringt, die aber auch woanders auf der Welt verbreitet sind. „Fliegende Toiletten“ ist die sarkastische Bezeichnung für Plastikbeutel, in die Fäkalien entsorgt wurden und die anschließend fort geschleudert werden. Die Beutel sammeln sich an, ziehen Fliegen an und platzen teilweise auf. Auch anders provisorisch entledigte Fäkalien verunreinigen Flüsse, Grundwasser und Böden, was eine Hauptursache für die Verbreitung von Krankheiten ist. Durch mangelnde Hygiene und verseuchtes Trinkwasser werden beispielsweise Durchfallerkrankungen ausgelöst, an deren Folgen täglich etwa 6.000 Kinder sterben.

Das chaotische Erscheinungsbild einer Squatter-Siedlung täuscht darüber hinweg, dass sich Neuankömmlinge dort oft nicht einfach niederlassen können. Zum einen ist freier Platz meist rar. Zum anderen gibt es Hierarchien, die ob ihrer Strenge einigermaßen überraschen können. Häufig wird jeder Meter innerhalb des Areals von einer an der Spitze stehenden Führungsgruppe oder Einzelperson vergeben. Wegen des minimalen Investitionsbedarfs streichen die „Siedlungsmanager“ eine beträchtliche Rendite ein. So gibt es in Kalkutta ein informelles Squatter-Unternehmen, das nicht nur den Grund und Boden „verwaltet“ und dafür Gebühren von den Mietern kassiert, sondern auch geballten Widerstand gegen den Abriss der für sich profitablen Siedlungen organisierte.