Chancen: Wertschöpfung im Slum

Trotz der oftmals nicht hinnehmbaren Zustände greift es zu kurz, Slums oder Squatter-Siedlungen pauschal als von Aussichtslosigkeit bestimmte Lebensräume abzustempeln. Manche Elendsviertel sind beispielsweise Schauplätze eines überraschend lebendigen und geschäftigen Treibens. Ein Beispiel ist Dharavi, der größte von Indiens etwa 52.000 Slums. Einst ein Fischerdorf liegt das den Flughafen umschließende Viertel inzwischen mitten in Mumbai. Nach unterschiedlichen Schätzungen wird es von 600.000 bis einer Million Menschen auf etwa 2,5 Quadratkilometern (in Berlin leben rund 3.800 Menschen auf einem Quadratkilometer) bewohnt. In den vergangenen Jahren entwickelte sich dort auch im guten Sinn ein Eigenleben: Mit rund 100.000 kleinen Produktionsstätten sollen die Bewohner Dharavis jährlich zwischen einer halben und einer Milliarde US-Dollar erwirtschaften. Vor allem Recycling-Betriebe, Gerbereien, Schmuck- und Textilunternehmen tragen zur Wirtschaftskraft des Viertels bei. Angesichts solcher Beispiele fragen sich inzwischen auch hiesige Stadtforscher, was wir möglicherweise von den selbstregulierenden Armutsökonomien der Riesenstädte lernen können. Mehr als die Hälfte der 14 Millionen Bewohner Mumbais lebt in Elendsvierteln.