Ursachen

Ein Hauptgrund für das Anschwellen der Ballungsräume in einkommensschwachen Regionen ist die Landflucht. Menschen ziehen in Städte, weil sie sich dort bessere Zukunftsaussichten versprechen als auf dem Land, wo 75 Prozent der Bevölkerung extrem arm ist. Auch wenn Städte Chancen bieten können, haben es Ankömmlinge vom Land jedoch nicht zuletzt wegen ihrer Herkunft schwer, im städtischen Umfeld Fuß zu fassen. Viele mittellose Städter sind letztendlich nicht besser gestellt, als arme Dorfbewohner.

Soziale Netzwerke spielen bei der Verstädterung eine wichtige Rolle: Die meisten Landflüchtlinge kennen jemanden in der Stadt, von dem sie sich in der ersten Zeit eine Anlaufstelle oder Starthilfe versprechen. Viele hoffen, zunächst bei Verwandten unterkommen zu können oder dank ihrer Kontakte einen Job zu finden. Aber selbst „Vitamin B“ kann nur wirken, wenn der Arbeitsmarkt gerade in der Lage ist, Ankömmlinge aufzunehmen. Oft werden Landflüchtlinge zu einer dauerhaften Belastung für die Gastgeber: Vielen gelingt es erst nach Jahren für sich selbst zu sorgen und sich eine eigene Unterkunft zu suchen.

Künftig wird die Ausdehnung der Städte immer weniger auf den Zuzug neuer Bewohner und in immer stärkeren Maß auf hohe Geburtenraten zurückzuführen sein. Schon heute nimmt das urbane Elend wesentlich wegen der vielen in städtische Armut Hineingeborenen zu – den Mittellosen zweiter oder gar nachfolgender Generation. Sie bleiben den Elendsvierteln verhaftet, wodurch diese weiter wachsen.