Organisationen von Kleinbauern, Landarbeitern und Landlosen

1993 wurde die internationale Bewegung (La) Via Campesina („Der Bäuerliche Weg“) gegründet. Dabei handelt es sich um ein Dach für mehr als 100 Organisationen von Kleinbauern, Landarbeitern, Landlosen und Indigenen. Die meisten von ihnen sind auf der Südhalbkugel aktiv, aber auch „westliche“ Vereinigungen engagieren sich in der Via Campesina, wie die deutsche Arbeitsgemeinschaft bäuerliche Landwirtschaft.Ein bedeutendes Ziel von Via Campesina ist, Entwicklungsländer unabhängig von Nahrungsmittelimporten zu machen. Nahrung soll auf umweltverträgliche Weise vor allem für die lokale Bevölkerung produziert werden. Erst wenn die Ernährung über Selbstversorgung, lokale und regionale Märkte sichergestellt ist, sollen Nahrungsmittel auch international gehandelt werden. Auch mit Landreformen will die Bewegung Ernährungssouveränität erreichen. Daneben fordert Via Campesina beispielsweise, dass Kleinbauern vor von Industriestaaten subventionierten, billigen Agrarimporten geschützt werden.

Ein bekanntes Mitglied von Via Campesina ist die brasilianische Bewegung der Landlosen (MST), die sich seit mehreren Jahrzehnten vornehmlich für eine tiefgreifende Landreform einsetzt. Die in Brasilien sehr ungleichen Landbesitz-Verhältnisse sind ein Erbe der Kolonialzeit: Rund zehn Prozent der Bevölkerung besitzen etwa 80 Prozent des Bodens, etwa 4,5 Millionen Bauernfamilien müssen deshalb Fläche pachten oder ohne Nutzungsrecht „illegal“ wirtschaften. Die in der MST organisierten Landlosen machten unter anderem durch aufsehenerregende Aktionen von sich reden: So besetzten sie öffentlichkeitswirksam brachliegende oder schlecht bewirtschaftete Flächen, von denen die bis zu 500 beteiligten Familien teils gewaltsam vertrieben wurden.

Mittlerweile möchte sich die MTS nicht mehr darauf beschränken, Fürsprecher von Landarbeitern und Kleinbauern zu sein. Ihre Arbeit fand auch in anderen Bevölkerungsgruppen so großen Anklang, dass sich die Bewegung inzwischen auch für gesamtgesellschaftliche soziale Belange wie die Stärkung von Gewerkschaften einsetzt. Überschattet wird das insgesamt bedeutende Engagement der MTS durch ihre Radikalisierung: Von ausschließlich friedlichen ging die Bewegung zu mitunter militant durchgeführten Besetzungen über, die ihrem Ansehen geschadet haben.