Was Städte tun können

Konzentration von Wissen, Arbeitskräften, Kapital, Kultur, Netzwerken: Metropolen haben enormes Potenzial, wenn sie es schaffen, ihre Ressourcen „klug“ zu nutzen. Damit Städte ihren armen Bewohnern mehr Chancen bieten, sollten die in der Vergangenheit vielerorts angewandten, destruktiven Strategien zur Eindämmung von Elendssiedlungen und Abwehr mittelloser Zuwanderer aufgegeben werden. Beispiele sind das Abreißen oder Niederwalzen von Behausungen oder das Bauen von „Schutzmauern“. Zumal solche und vergleichbare Aktionen wenig erfolgreich sind und eher dazu führen, dass erschwinglicher Wohnraum noch knapper wird, was das Wachsen informeller Siedlungen (an anderer Stelle) fördert.
Stattdessen sollten sich Stadtverwaltungen nach Meinung vieler Experten mit dem Zulauf mittelloser Zuwanderer und dem Anwachsen des ärmeren Bevölkerungsanteils arrangieren und versuchen, vorbereitend zu handeln. Sie sollten den umkämpften Wohnungsmarkt nicht mehr völlig sich selbst überlassen und mehr dringend benötigten Wohnraum anbieten, der für arme Menschen erschwinglich ist – also praktisch nichts kostet. Solcher Wohnraum kann beispielsweise durch das eigene Zutun der späteren Bewohner entstehen.
Eine Idee ist, Obdachsuchenden in Grundzügen erschlossene Flächen anzubieten, auf denen mindestens Anschlüsse zur Trinkwasserversorgung und zum Abwassersystem angelegt sind. Den billigen Wohnraum bauen sich die Siedler selbst, so wie bisher auch. Eine Möglichkeit den Gebäudezustand in Slums zu verbessern ist, die Besitzverhältnisse zu klären und möglichst den Nutzern den Eigentumstitel zuzusprechen. Die Stadtverwaltung sollte außerdem für Infrastruktur sorgen und das Viertel beispielsweise mit Straßen, Fußwegen, Beleuchtung, Müllabfuhr, Schulen, Gesundheitseinrichtungen und einer Trinkwasserversorgung aufwerten. Eine feste Adresse, die den Zugang zu bestimmten Dienstleistungen wie der Müllabfuhr ermöglicht, ist wichtig, damit sich arme Menschen ein akzeptables Stadtleben aufbauen können.

Neben dem Wohnungsmangel unter der armen Bevölkerung gilt es auch Probleme beim Umweltschutz, der Armutsbekämpfung oder behördlichen Vorgehensweisen anzugehen. Für die wuchernden Megacities dürfte es jedoch schwierig sein, den gravierenden Problemen vorausschauend und nicht abwartend zu begegnen. Denn Stadtplanung ist in den unübersichtlichen Riesenstädten bzw. Metropolenregionen nur sehr begrenzt möglich. Kleinere Städte, die weltweit laut Deutsche Stiftung Weltbevölkerung am stärksten wachsen werden, haben hingegen bessere Karten, die Urbanisierung in fruchtbare Bahnen zu lenken.