Fairer Handel macht das Land lebenswerter

Der Faire Handel leistet vielseitige Beiträge dazu, den ländlichen Raum lebenswerter zu machen: Zunächst verbessert er die Lebensbedingungen kleinbäuerlicher Familien. Für ihre Erträge bekommen sie einen garantierten Mindestpreis, der der in Regel über dem liegt, was sie außerhalb des Fairen Handels erzielen würden. Wenn der Weltmarktpreis einmal über den garantierten Mindestpreis steigt, wird dieser entsprechend angehoben, damit der Faire Handel kein Verlustgeschäft für die Kleinbauern ist. In jedem Fall reichen die Fairtrade-Einnahmen aus, um die Kosten einer nachhaltigen Produktion zu decken und die Existenz zu sichern. Mehr finanzielle Absicherung erhalten die Produzenten, weil die Lieferverträge für einen längeren Zeitraum geschlossen werden und sie bei Geldnot die Möglichkeit haben, sich einen Großteil der Beträge für Ernte oder Vorleistungen vorfinanzieren zu lassen.

Außerdem erweitert der Faire Handel die Möglichkeiten ländlicher Gemeinschaften und fördert deren Zusammenhalt: Einzelne Kleinbauern werden nicht nach den Fairtrade-Standards zertifiziert, sondern kleinbäuerliche Zusammenschlüsse – Genossenschaften und Kooperativen, deren Größen mit zwischen 50 und 50.000 Mitgliedern aber sehr verschieden sind. Indem sie sich zusammentun, können sich die Kleinbauern zum einen besser in der Exportproduktion behaupten und sind zum anderen in der Lage, Handel im Sinn der Fairtrade-Standards betreiben zu können.
Denn ein Ziel ist es beispielsweise, die den Zwischenhandel auszuschalten. Damit Importeure direkt auf die Erzeugnisse zugreifen können, müssen die Produzenten zunächst eine Kooperative oder Genossenschaft gegründet haben. Erwünscht ist auch, dass die Bauern dadurch anderen Abnehmern gegenüber eine stärkere Verhandlungsposition erlangen. Denn in der Regel wird nicht die gesamte Ernte über den Fairen Handel abgesetzt und es gibt neben den Fairtrade-zertifizierten Importeuren noch weitere Geschäftspartner.
Innerhalb der Produzentengruppe soll gemäß Fairtrade-Standards jedes Mitglied ein gleichberechtigtes und demokratisches Mitspracherecht haben. Damit soll unter anderem abgesichert werden, dass die Gemeinschafts-Einnahmen aus dem Fairen Handel der Mehrheit zugute kommen. Diese Einnahmen bestehen aus der Fairtrade- und gegebenenfalls einer Bio-Prämie, die auf den jeweiligen Mindestpreis aufgeschlagen wird und für gemeinsame Anschaffungen oder Investitionen bereitsteht. Indem über die Verwendung der Prämie demokratisch abgestimmt wird, wird die selbstständige und nachhaltige Entwicklung der kleinbäuerlichen Gemeinschaft gefördert. Sie kann beispielsweise beschließen, einen Brunnen zu bauen oder eine Maschine anzuschaffen, mit der Kaffeekirschen geschält und somit wertschöpfend weiterverarbeitet werden können. Viele Kooperativen haben sich wiederum dafür entschieden, die Fairtrade-Prämie für die Umstellung auf den ökologischen Anbau auszugeben. Diese Investition macht sich nach der Bio-Zertifizierung mit dem Bio-Aufschlag bezahlt.

Darüber hinaus fördert der Faire Handel eine nachhaltige Entwicklung: Die Fairhandelsorganisationen wissen, dass die ländliche Armut nur unter Erhalt der natürlichen Ressourcen dauerhaft bekämpft werden kann. In den Fairtrade-Standards wird deshalb eine ressourcenschonende Landwirtschaft gefordert. Einige Kriterien unterstützen gleich mehrere Anliegen des Fairen Handels: So wird ein gemischter Landbau angestrebt, der die Bodenfruchtbarkeit verbessern und die Artenvielfalt erhalten helfen kann, der aber auch positive ökonomische Effekte hat: Durch die Diversifizierung des Anbaus sinkt auch die Abhängigkeit der Kleinbauern vom Ernteerfolg mit einer oder sehr wenigen Kulturpflanze(n) und der Selbstversorger-Speisezettel der Familien wächst.
Der ökologische Nachhaltigkeitsansatz des Fairen Handels tritt deutlich bei der Förderung des Bio-Anbaus hervor. Die ökologische Flächenbewirtschaftung schont Boden, Wasser, Umwelt, Klima und Artenvielfalt. Doch der Bio-Anbau hat abgesehen von der Bio-Prämie auch weitere ökonomische Vorteile: besonders in tropischen Breiten erzielen viele Kleinbauern mit den Öko-Methoden höhere Erträge. Weil die Bodenfruchtbarkeit und die Zahl der Nützlinge nach der Umstellung steigen, kann auf künstliche Agrarchemie verzichtet werden. Nach der ersten Umbruchphase stabilisieren sich auch bei jenen Kleinbauern die Erträge, die zuvor Kunstdünger oder Pestizide genutzt hatten. Sie sparen im Bio-Anbau Geld, weil sie auf die teuren Chemikalien verzichten.
Kleinbauern, die sich Agrarchemie nie leisten konnten, haben schon zuvor unabsichtlich eine einfache Form des biologischen Anbaus betrieben. Sie können mit gezielten Öko-Methoden, die meist mit traditionellen Fertigkeiten verbunden werden, bessere Erträge erzielen. Im Fairen Handel wird die Umstellung auf den ökologischen Anbau beispielsweise durch fachliche Anleitung gefördert. Die Erfahrungen mit der Fairtrade-Zertifizierung sind den Produzenten zudem nützlich, um später die Hürde der Bio-Zertifizierung zu nehmen.
Da es mehrere Jahre dauern kann bis der Anbau ökologisch angepasst ist und die Umstellung zudem Kosten verursacht, stellen die sicheren Mehr-Einnahmen aus dem Fairen Handel oft die entscheidende Möglichkeit der finanziellen Überbrückung dar. Besonders in agrarisch geprägten Gesellschaften erhält der arbeitsintensive Öko-Landbau zudem Einkommensmöglichkeiten auf dem Land.