… in Südamerika

Die Weltgemeinschaft will, so wird es immer wieder betont, die globale Erwärmung auf höchstens zwei Grad Celsius gegenüber dem vorindustriellen Zeitalter begrenzen. Doch selbst wenn das gelänge, hieße das nicht, dass Gletscher wieder wüchsen oder Niederschläge wieder dort ankämen, wo sie bisher verlässlich Fruchtbarkeit brachten. Und es hieße auch nicht, dass überall nur zwei Grad mehr gemessen werden könnten. Brasiliens Norden, zum Beispiel, war lange Zeit eher trocken, der Süden des lateinamerikanischen Landes galt als niederschlagsreich. Heute sieht sich Nord-Brasilien mit stärkeren, ergiebigeren Niederschlägen konfrontiert, während dem Süden Dürren zusetzen. Dort trocknen vielerorts Flüsse aus, die Wasserpegel wichtiger Lebensadern der Region sinken dramatisch. Tier- und Pflanzenwelt, die Lebensgrundlage für Millionen Brasilianer, leiden unter den veränderten klimatischen Bedingungen, dabei liegt der weltweite Temperaturanstieg derzeit noch deutlich unter 2 °C. Wären diese 2 °C tatsächlich die Obergrenze, schaffte es also die Weltgemeinschaft, ihn einzuhalten, käme wohl für das Amazonasgebiet die Hilfe dennoch zu spät: Ein Anstieg der Erdtemperatur auf 2 °C würde in dieser Region einen Temperaturanstieg von durchschnittlich 4 °C mit sich bringen – die Gefahr, dass dann das Austrocknen des Amazonasgebietes und damit das Verschwinden unzähliger bekannter und unbekannter Arten unaufhaltsam und unumkehrbar voranschritte, ist groß.

Dem allgemeinen Trend zum Trotz wächst in Argentinien der Perito-Moreno-Gletscher. Skeptiker des Klimawandels führen ihn (und einige skandinavische Gletscher, die, wohl infolge vermehrter Niederschläge, ebenfalls größer werden) daher immer wieder gern als Beleg dafür an, dass die globale Erwärmung und ihre Folgen nicht erwiesen seien. Fakt aber ist: Ohne jeden Zweifel schmelzen Gletscher überall auf der Erde, in Venezuela existieren derzeit noch zwei von ursprünglich sechs Anden-Gletschern und auch in Kolumbien, Ecuador und Peru rinnt das einst ewige Eis ebenfalls stetig zu Tale, seit es in den Anden immer wärmer wird.

Die höheren Tag- und Nachttemperaturen sind in Peru auch die Ursache dafür, dass die Mangobäume weniger Blüten ausbilden und so die Erträge zurückgehen. Alles deutet darauf hin, dass die Mango-Bauern auf andere Produkte werden ausweichen müssen, um ihre Existenz in Zukunft zu sichern.

In den Nebelwäldern Costa Ricas bildet sich seit einiger Zeit weniger Nebel. Schon heute sind 20 der ursprünglich dort beheimateten Frosch- und Krötenarten verschwunden und auch die Zahl der Eidechsen wird messbar geringer.

Die Veränderungen im Meer setzen Lateinamerika auf verschieden Weise zu: Wie überall bedroht der ansteigende Meeresspiegel Dörfer, Städte und Land an den Küsten unmittelbar. Zugleich bedrohen die höhere Wassertemperatur und der höhere Gehalt an CO2 das ökologische Gleichgewicht der Meere. So bleichen etwa die Korallenriffe vor Panama, Galapagos und den karibischen Inseln aus. Korallen leben in Symbiose mit bestimmten Algen, von denen sie mit Nährstoffen versorgt werden und die den eigentlich weißen Korallen ihre Farben verleihen. Wird das Wasser wärmer und infolge größerer CO2-Aufnahme chemisch saurer, so gerät der Stoffwechsel der Korallen aus dem Gleichgewicht. Wenn die Korallen derart gestresst die Algen abstoßen, bleibt nur ihr weißes Kalk-Skelett zurück. Dauert der Zustand zu lange an oder gehen die Veränderungen zu schnell vonstatten, können sich die an sich recht anpassungsfähigen Korallen nicht regenerieren und sterben.