Kampf gegen den Klimawandel – Im Großen

Förderung "Erneuerbarer": Eine Strategie gegen den Klimawandel, Foto: BMU / Bernd Müller

Foto: BMU / Bernd Müller

 

Längst gibt es wohl kaum einen Winkel der Erde, in dem sich die Folgen der zunehmenden Erderwärmung nicht beobachten ließen. Dass es so nicht weitergehen kann, ist inzwischen wohl jedem klar und die meisten Menschen stimmen sofort zu, wenn es heißt „man müsste…“. Doch leider gibt es keinen einfachen Weg, den Klimawandel zu stoppen und seine Folgen umzukehren. Und es gibt niemanden, der sich dabei „nicht zuständig“ fühlen darf. Um die Welt des Jahres 2010 zu erhalten, muss die Menschheit ihre Lebens- und Wirtschaftsweise verändern – im Großen wie im Kleinen.

International

Dass der Klimawandel nur aufgehalten werden kann, wenn sich die Staaten der Erde politisch dazu bekennen und sich zu Maßnahmen verpflichten, ist leicht gesagt. Wie schwer aber diese Forderung in die Tat umzusetzen ist, zeigt sich auf den jährlich stattfindenden Weltklimagipfeln. Diese Zusammenkünfte gehen auf die UN-Klimarahmenkonvention und das Kyoto-Protokoll zurück. Danach sind alle Staaten, die die Klimarahmenkonvention und das Kyoto-Protokoll ratifiziert haben dazu verpflichtet, sich auf ein für alle verbindliches Regelwerk für den globalen Klimaschutz zu einigen. Für den Gipfel in Kopenhagen im Dezember 2009 hatte man sich Großes vorgenommen: Die Staaten sollten sich zum einen dazu verpflichten, ihre Klimagasemissionen bis zum Jahr 2050 zu halbieren und sich zum anderen auf eine Nachfolgeregelung für das Kyoto-Protokoll, das nur bis zum Jahr 2012 reicht, einigen. Doch daraus wurde nichts. In zähem und zermürbendem Ringen einigten sich die Delegierten der Weltgemeinschaft schließlich nicht auf den Nachfolger des Kyoto-Protokolls sondern auf den „Copenhagen Accord“, der von der UN lediglich zur Kenntnis genommen wird und keinerlei völkerrechtliche Verbindlichkeit hat.

Teil dieses Minimalkonsens’ ist allerdings erstmals das Ziel aller Unterzeichner, die Erderwärmung um nicht mehr als 2 °C gegenüber dem vorindustriellen Zeitalter ansteigen zu lassen. Das Papier macht allerdings keine Angaben darüber, wer dafür welche Maßnahmen ergreifen wird. Es enthält lediglich die Verpflichtung der Unterzeichner, Selbstverpflichtungen zu verabschieden und über den Fortschritt bei der Umsetzung Bericht zu erstatten. Die Industriestaaten sollen ihre Klimagasemissionen drastisch drosseln, die Entwicklungsländer Maßnahmen zur Verringerung der Erderwärmung ergreifen. In Kopenhagen wurde darüber hinaus eine weitere Entscheidung getroffen: Die Industriestaaten werden in den „Copenhagen Green Climate Fund“ einzahlen, aus dem Nicht-Industriestaaten Maßnahmen zur Verringerung der Erderwärmung und zur Bewältigung der Folgen des Klimawandels finanzieren können.

National

Deutschland gehört zu den Unterzeichnern des Kyoto-Protokolls und ist demnach verpflichtet, in den Jahren 2008 bis 2012 seine Klimagasemissionen um durchschnittlich 21 % unter das Niveau von 1990 zu senken. Weil jedoch für den Stopp des Klimawandels weit mehr nötig ist, hat die Europäische Union das so genannte Klimapaket verabschiedet, das die gemeinschaftliche Klima- und Energiepolitik regelt und die EU-Mitgliedsstaaten zu konkretem Handeln verpflichtet.

Alle Staaten der EU sollen die gemeinsamen Klimagas-Emissionen bis zum Jahr 2020 um 20 % unter das Niveau von 1990 senken, wobei die wirtschaftlich stärkeren Staaten den größeren Anteil tragen sollen. Die Bundesregierung hat sich darüber hinaus gehend vorgenommen, die deutschen CO2-Emissionen um 40 % unter den Wert von 1990 zu senken. Um dieses ehrgeizige Ziel zu erreichen, gab sich Deutschland das Integrierte Klima- und Energieprogramm (IKEP), das als wichtigste Instrumente dafür die folgenden benennt:

  • Maßnahmen für einen effizienteren Energieverbrauch (z.B. Programm zur Gebäudesanierung, Erhöhung der Lkw-Maut, Umstellung der Kfz-Steuer von Hubraum auf CO2-Emissionen; Verbesserte Energiekennzeichnung von elektronischen Geräten)
  • Maßnahmen zur effizienteren Bereitstellung von Energie (z.B. Erforschung von CO2-armen Kraftwerkstechnologien)
  • Ausbau der Erneuerbaren Energien (z.B. durch Novelle des Erneuerbare-Energien-Gesetzes)
  • die wichtigsten Maßnahmen sind die deutliche Erhöhung der Energieeffizienz und die Verdreifachung des Anteils Erneuerbarer Energien am Gesamtenergieverbrauch im EU-Durchschnitt bis zum Jahr 2020; jeder Staat hat dabei eigene Ziele zu verfolgen, Deutschland soll bis 2020 den Anteil Erneuerbarer Energien am Gesamtenergieverbrauch auf 18% steigern

Viele dieser Maßnahmen sind bereits in Form von Gesetzen erlassen, andere sind bereits konkrete Gesetzesvorhaben (die allerdings infolge parlamentarischer Diskussionen nicht immer die Schärfe der Vorschläge haben). Wieder andere Maßnahmen, beispielsweise die Kfz-Steuer-Reform, sind bislang noch nicht in konkreten Umsetzungsprozessen. Ab 2010 wird die Bundesregierung die Erfolge des IKEP alle zwei Jahre überprüfen und darüber berichten.

Maximal 2 °C

Das Ziel, auf das sich die Weltgemeinschaft im Dezember 2009 einigen konnte, klingt zunächst mickrig: Die durchschnittliche Temperatur auf der Erde soll am Ende des 21. Jahrhunderts nicht mehr als 2 °C höher sein, als sie es vor der Industrialisierung war. Auf den ersten Blick klingt es unglaublich, dass zwei Grad Celsius einen so großen Unterschied machen sollen. Doch zwei Grad Celsius bedeuten zum Beispiel, ob das Badewasser zu heiß, zu kalt oder gerade richtig ist, sie unterscheiden Wohlbefinden von Fieber – und sie sind nach Angaben des so genannten Weltklimarates eben auch die Grenze zu einem „gefährlichen Klimawandel“. Die Forscher des Intergovernmental Panel on Climate Change, IPCC, prognostizieren für diesen Fall unwiderrufliche Veränderungen in Klima und Ökosystemen, die weder in ihrer Ausbreitung noch in ihren Folgen vom Menschen beeinflussbar oder gar beherrschbar wären. Kämen zum Beispiel bestimmte Meeresströmungen zum Stillstand, rutschten große Eismassen ins Meer oder stürbe der Amazonasregenwald, so wären die Folgen unumkehrbar und dramatisch. Neben den ökologischen Auswirkungen sehen die Forscher auch die Wasserversorgung und die Landwirtschaft in vielen Regionen der Erde ebenso in ernster Gefahr, wie die Lebensgrundlage der Menschen in Küstenregionen und weisen auf die Probleme hin, die entstehen, wenn sich Millionen Menschen auf die Flucht vor veränderten Umweltbedingungen begeben.

Um das 2 °C-Ziel zu erreichen, zu dem sich die Staaten zuletzt in Kopenhagen bekannten, müssten sie nach derzeitigen Berechnungen gemeinsam ihre CO2-Emissionen deutlich verringern, die Industriestaaten sogar um 40 % bis zum Jahr 2020. Angesichts dessen, dass die Lebens- und Wirtschaftsweise der wirtschaftsstarken Staaten von Energieverbrauch geprägt ist, ist das eine gewaltige Herausforderung.

Das 2-°C-Ziel ist dabei nicht unumstritten. Diese zwei Grad sind ein Durchschnittswert, in einigen Regionen der Erde sind also Über- in anderen Unterschreitungen zu erwarten. Im Amazonasgebiet Brasiliens werden im 2-°C-Fall wohl 5 °C mehr gemessen werden müssen – mit erheblichen Auswirkungen auf die Gesundheit und den Bestand des Regenwaldes. Einige Wissenschaftler sehen daher die 2-°C-Grenze als zu hoch angesetzt – die Malediven und Tuvalu würden beispielsweise schon bei einer Erwärmung von mehr als 1,5 °C überspült und auch andere unumkehrbare Effekte könnten schon einsetzen, bevor die 2 °C-Marke erreicht ist.