Zum Beispiel beim Essen

Regionale Pflanzenkost schont das Klima, Foto: Michelle Luther / pixelio.de

Foto: © Michelle Luther / PIXELIO

Zwischen zehn und zwölf Prozent der weltweit emittierten Klimagase geht auf Landwirtschaft zurück. An den deutschen Treibhausgasemissionen hat die Landwirtschaft sogar einen Anteil von 13 bis 15 %. Kohlendioxid (CO2), Lachgas (N2O) und Methan (CH4) werden bei der Bodennutzung, in der Tierhaltung, dem Treibstoffverbrauch für Maschinen und nicht zuletzt in der Herstellung von Düngern und Pflanzenschutzmitteln frei. Dabei entstammt das Methan vor allem der massenhaften Nutztierhaltung. So stößt eine Milchkuh mehr als 3.500 Kilogramm Methan jährlich aus, ein Schwein gibt 230 Kilogramm Methan im Jahr ab. Doch nicht allein der Methanausstoß ist eine Bedrohung für das Klima, auch der Flächenverbrauch ist ein massives Problem. Schon heute, so schätzt die FAO, werden etwa 30 % der eisfreien Landflächen direkt oder indirekt für die Viehzucht genutzt. Während ein Deutscher im Jahr 88,7 kg Fleisch verzehrt, bringt es ein Inder bisher auf 5,2 kg. Noch. Der weitaus größte Teil der Menschheit ist schlicht zu arm, um größere Mengen Fleisch zu verzehren. Mit steigendem Wohlstand steigt aber auch die Nachfrage nach tierischen Produkten.

Doch nicht nur Fleisch schlägt auf dem individuellen Klima-Konto schwer zu Buche. Für den Anbau von Getreiden, Obst und Gemüsen, für ihre Verarbeitung, Lagerung , den Transport, die Kühlung und schließlich die Zubereitung am heimischen Herd sind große Mengen Energie nötig, bei deren Erzeugung ebenfalls CO2 frei wird. Essen und Klimaschutz hängen eng zusammen. Forscher der Cornell-Universität (USA) haben zum Beispiel herausgefunden, dass der Gesamtenergieverbrauch der USA um zehn Prozent gesenkt werden könnte, wenn die US-Amerikaner ihre Ernährung klimafreundlich gestalten, d. h. wenn sie weniger Fast Food und dafür gesündere Nahrungsmittel aus umweltfreundlicher Produktion essen würden.

Ein klimafreundlicher Lebensmitteleinkauf ergibt sich nicht von selbst. Anbaumethoden, Transportwege und –weisen, Lagerung und Verpackung spielen in die Klimabilanz hinein und sind für den Endverbraucher oft kaum nachvollziehbar. Und weil die Klimabilanz neben Geschmack, Verarbeitungseigenschaften, Preis und anderen nur eines von mehreren Qualitätsmerkmalen ist, ist ein sicheres „das ist gut, das ist schlecht“ hier kaum möglich. Die folgenden Tipps (die stets nur eine Tendenz abbilden können, weil die CO2-Bilanz eines Lebensmittels durch sehr viele Faktoren beeinflusst wird) erleichtern aber den klimafreundlichen Einkauf:

  • Kaufen sie planmäßig und bewusst ein. Kein Lebensmittel ist so teuer und klimaschädlich wie eines, das ungegessen weggeworfen wird.
  • Kaufen Sie nach Möglichkeit regionale Produkte und berücksichtigen Sie die Saisonzeiten, denn kürzere Transportwege vermindern den Energie- und Rohstoffverbrauch. Denken Sie daran, dass auch Sie einen Teil des Transportes, nämlich den vom Verkaufsort nach Hause, übernehmen. Öffentlicher Nahverkehr, Rad oder ein Fußmarsch sind dabei stets klimafreundlicher als eine Autofahrt.
  • Achten Sie beim Einkauf auf heimisches Gemüse aus Freilandanbau. Der Anbau von Gemüsen in Treibhäusern ist sehr energieaufwändig.
  • Je weniger Verpackung, desto besser. Ein wesentlicher Teil des CO2-Ballastes eines Lebensmittels entsteht durch die Verpackungen.
  • Bei Fleisch und Milchprodukten ist weniger mehr: Nutztierhaltung beansprucht große Flächen Land, nicht zuletzt, weil Futterpflanzen angebaut werden, für deren Gedeih wiederum häufig große Mengen Pestizide und Düngemittel eingesetzt werden. Rund 7/8 der eingesetzten Energie gehen durch die Verfütterung von Nahrungsmitteln an Vieh verloren. Wer weniger Fleisch isst und auch Milchprodukte wie Joghurt, Käse usw. seltener genießt, tut der Umwelt und seinem Körper etwas Gutes.
  • Tiefgekühlte Lebensmittel sind energieaufwändiger in der Herstellung und in der Lagerung. Auch weiterverarbeitete Produkte wie Käse und Wurst belasten das Klima stärker als Rohprodukte wie Gemüse und Eier.
  • In der Herstellung und im Transport von Mehrwegflaschen fallen deutlich weniger CO2 und Feinstaub an, als für Einwegflaschen. Pfand hin oder her – Mehrwegflaschen sind die klimafreundlichere Variante.
  • Fürs Klima lieber bio: Ökologischer Landbau schont das Klima, da keine synthetischen Düngemittel und Pestizide eingesetzt werden. Durch den schonenden Umgang mit den Böden, setzen diese weniger Lachgas frei und sind darüber hinaus deutlich weniger anfällig gegen Erosionen. Egal, wo er auf der Welt stattfindet: Bio-Landbau kommt dem Klima zugute. Wer also Bananen oder ein anderes Lebensmittel kaufen will, das in jedem Falle weit transportiert wurde, bleibt mit dem Bio-Siegel auf der klimafreundlichen Seite.

Auch der Griff zu Lebensmitteln aus Fairem Handel ist durchaus sinnvoll in Sachen Klimaschutz: Zum einen gehört eine naturnahe, langfristig ökologische Landwirtschaft zu den Bedingungen des Fairen Handels. Zum anderen erlaubt der Faire Handel den beteiligten Bauern eine bessere Anpassung an die Folgen des Klimawandels: Die Suche nach neuen Lösungen für Saat, Ernte, Bewässerung, Sorten und andere landwirtschaftliche Entscheidungen braucht Know-How, Zeit und Geld – vor allem an Geld und Zeit fehlt es Kleinbauern überall auf der Erde. Die Bauern im Fairen Handel wirtschaften schon lange nachhaltiger und ökologischer, was ihre Felder weniger anfällig für Wetter- und Schädlingsschäden macht. Der Faire Handel ermöglicht ihnen darüber hinaus finanzielle Reserven, die für die Entwicklung von Strategien oder Techniken nötig sind. In Genossenschaften organisiert, profitieren sie zudem von den Erfahrungen anderer in ihrer Organisation und können so parallel verschiedene Wege ausprobieren, ohne in existenzielle Not zu geraten.

So verwendete zum Beispiel die Kaffee-Kooperative COOCAFE in Costa Rica den Fairtrade-Aufschlag dazu, Schattenbäume um die Kaffeekulturen zu pflanzen, was dem Boden, der Artenvielfalt und natürlich dem Kaffee zugute kommt. Die weitsichtigen Bauern dieser Kooperative schafften darüber hinaus Trocknungsöfen an, die sich mit Kaffeeschalen beheizen lassen, um so nicht mehr auf geschlagenes Holz aus den wichtigen Wäldern angewiesen zu sein und reduzierte zudem den Wasserverbrauch für das Waschen der Kakaobohnen drastisch. Damit können sie den Klimawandel nicht aufhalten, aber sie stehen seinen Folgen stärker gegenüber.