Rund um das Runde Leder in Südafrika

Auf einer Fußball-Weltmeisterschaft wird neben erstklassigem Sport zunächst vor allem eines vermittelt: Ein Stück Kultur des Gastgeberlandes. Auch in Südafrika wird Fußball auf eine landestypische Art erlebt: Nach einem geglückten Torschuss schallt ein gedehntes „Laduma!“ („Laduuuuma!“) durch das Stadion, was Zulu ist und „es donnert“ bedeutet. Der eigentliche Donner dürfte aber vom tausendfachen Klang einer besonderen Jubel-Hilfe rühren: Die Vuvuzela ist eine langstielige Tröte, die sich dadurch auszeichnet, einen ohrenbetäubenden Lärmpegel erzeugen zu können. Die Vuvuzela ist so außergewöhnlich, dass sie selbst deutschen Fußballfreunden  im Vorfeld der WM bereits Diskussionsstoff bot, hiesige Medien meckerten bereits „Nerv-Tröten”. In Südafrika hat das für uns exotische Blasinstrument, dessen Getöse an einen aufgebrachten Elefanten erinnern soll, Kultstatus und trat seinen Siegeszug unter Sportfans schon in den 70er Jahren an.

Wie in allen Fußball-Arenen der Welt ertönen auch in südafrikanischen Stadien Lieder. Traditionell werden die Sportler mit einem einst von simbabwischen Wanderarbeitern gesungenen Lied angefeuert: Es heißt „Shosholoza“, Zulu für „vorwärts“ oder „mutig nach vorn“. Ein weiteres Markenzeichen südafrikanischer Fußballfans erinnert wiederum an Minenarbeiter: Makarapa sind Plastikhelme, die von ihren Trägern meist selbst verziert wurden. Die originellen Kopfschalen schmücken, zeigen das vom Träger bevorzugte Team an und schützen obendrein das Haupt vor möglicherweise umher fliegenden Dingen. Gängige Accessoires zu den Makarapa sind riesige Scherzbrillen aus Plastik.

Mit etwas Glück kann sich die Fußballwelt an den spontanen, originellen Einfällen südafrikanischer Fans freuen: So wedelten sie zu Ehren des Spielers Mark Fish mit frischen Fischen während Spieler John „Shoes“ Moshoeu schon durch um den Hals baumelnde alte Schuhe gewürdigt wurde.

Vielleicht beflügelt die geballte Fan-Euphorie eine oder mehrere afrikanische Mannschaften bis zum Einzug in Endrunde oder Finale. Mehr als ein Quäntchen Glück braucht ausgerechnet die südafrikanische Auswahl, deren Spitzname „Bafana Bafana“ („Die Jungs“) ist. Denn bei der Auslosung der Vorrundengegner wurden ihnen große Brocken in den Weg gelegt: In den ersten Spielen muss die südafrikanische National-Elf gegen die Spitzenmannschaften aus Uruguay, Mexiko und Frankreich antreten – eine für Bafana-Fans schockierende Konstellation. In der südafrikanischen Presse wurde das harte Los dann auch mit „Ziehung aus der Hölle“ betitelt.