Erwartungen an die WM

Der Glanz der WM wird nicht überstrahlen, dass Millionen Südafrikaner in bitterer Armut leben. So unterscheiden sich die einstigen südafrikanische Townships noch heute deutlich von „besseren“ Wohngebieten: nach wie vor lebt der größte Teil der nichtweißen Bevölkerung dort und es prägen einfache Häuser, Baracken oder simple Hütten das Bild. Auch wegen der afrikanischen Fußballtalente, die es schafften sich aus der Armut zu kicken und gutbezahlt für internationale Clubs spielen, träumen zahllose afrikanische Jungs davon, ein ebensolcher Weltklasse-Kicker zu werden. Darüber hinaus lässt sich Fußball mit einfachsten Mitteln spielen – die beste Voraussetzung für einen Volkssport. Und so wird gerade in den Armenvierteln der Welt an Abenden und Wochenenden auf praktisch jeder geeigneten Freifläche Fußball gespielt. Mit Erfolg: Beispielsweise haben Sowetos Townships der 70er und 30er Jahre gleich zwei der drei heutigen Topligisten des südafrikanischen Fußballs hervorgebracht, die Kaizer Chiefs und die Orlando Pirates.

Wurde die Fußballweltmeisterschaft von den Südafrikanern anfangs eher verhalten aufgenommen, hat sich die Stimmung – soweit von der FIFA in einer wiederholten Umfrage ausgelotet – mittlerweile gewendet. Natürlich geht es bei der Weltmeisterschaft nicht nur um das Geschehen auf dem Rasen. Von der Austragung der Spiele verspricht sich eine Mehrheit der Südafrikaner einen Imagegewinn für ihr Land und den Kontinent. So zeigten sich 90 Prozent der Befragten stolz darüber, dass das wichtigste Fußballturnier der Welt in Afrika ausgetragen wird. Die meisten zählen außerdem auf einen langfristigen Nutzen der WM zum Beispiel durch wirtschaftliche Impulse: 91 Prozent rechnen mit einem Arbeitsplatzzuwachs, 95 Prozent versprechen sich einen erstarkten Tourismus.

Dass sich 79 Prozent der Befragten von der WM endlich eine Einigung der Menschen in Südafrika erhoffen ist auch bezeichnend für die bewegte Geschichte des Landes. Denn obwohl das Kapland in den vergangenen Jahrzehnten an Stärke gewann, trägt es noch immer schwer am Erbe der Rassentrennung. Vor 20 Jahren wurde Nelson Mandela aus der Haft entlassen und hinterließ das Apartheidsregime ein innerlich zerrissenes, wirtschaftlich, politisch und sozial am Boden liegendes Südafrika. Unter diesem Gesichtspunkt könnte die Wahl des Hauptschauplatzes der Fußball-WM kaum treffender sein: Eröffnungs- und Finalspiel werden in Soccer City stattfinden, einem Stadion in Soweto, dem ehemaligen Township, das zum Symbol der Apartheid wurde. 14 Jahre nachdem sich tausende Schwarzen dort gegen die Rassentrennung auflehnten hielt Nelson Mandela in Soccer City seine erste Massenkundgebung nach seiner Freilassung.