Die Benguelaströmung

Der Oranje („orangefarbener Fluss“) schlängelt sich durch Lesotho und Südafrika sowie zwischen Südafrika und Namibia durch das südliche Afrika. Seinen Namen brachten ihm die mitgeführten Sandmassen ein, die an der Flussmündung in den Atlantischen Ozean gespült werden, wo ihre Reise jedoch nicht endet. Der Sand wird von der Benguelaströmung aufgenommen und an die namibische Küste geschwemmt, wo er die Dünen der Wüste Namib „füttert“. Deshalb wird der Oranje auch „Vater der Namib“ genannt.

Einerseits vergrößert der Benguelastrom durch die Sandanschwemmung die lebensfeindliche Wüste Namib. Andererseits ist er als Lebensspender berühmt: Der fischreiche Benguela bietet vielen Wesen Nahrung. Er ist Teil des gewaltigen marinen „Förderbands“, das sich aus mehreren Strömungen zusammensetzt. Sie verbinden die Weltmeere, indem sie kühleres und wärmeres bzw. salzreiches und salzarmes Wasser um den Globus wälzen. So bewegt allein die Benguelaströmung zwei- bis dreimal so viel Wasser als alle Flüsse der Erde zusammen.

Die mit ihr „reisenden“ Wassermassen kommen aus dem Indischen Ozean und dem polaren Südatlantik und strömen in Richtung Äquator. Dabei passieren sie die südliche Westküste Afrikas bis etwa Südangola. Die Benguelaströmung misst etwa 12 bis 20 Grad Celcius und ist damit relativ kühl. Ihr Wasser kühlt auch die Luft über dem Meer ab mit einer deprimierenden Nebenwirkung für Namibia: Feuchte Luftteilchen verlieren mit der Wärme auch ihr Wasser und das kurz bevor sie die Küste erreichen. Dort bleibt es knochentrocken, weshalb die Wüste Namib schon am Ufer beginnt. Zugleich verhilft seine Küstennähe dem Benguelastrom zu entscheidenden Auftrieb, durch den das nährstoffarme Wasser an der Meeresoberfläche durch nährstoffreiches Wasser aus der Tiefe ausgetauscht wird. Beim Aufströmen bringt es eine große Nährstofffracht in Reichweite des Lichtes, wo sie von Organismen verwertet werden kann, die Photosynthese betreiben und am Anfang der Nahrungskette stehen. So entstehen gewaltige Mengen Plankton.

Weltweit gibt es nur vier solche Auftriebsgebiete, die aber überaus bedeutend für das gesamte Leben in den Ozeanen sind. Denn diese gelten wegen ihrer allgemeinen Nährstoffarmut zu 80 Prozent als „biologische Wüsten“: In den öden Weiten der offenen Weltmeere wird nur ein mickriges Prozent der maritimen Biomasse gebildet. Die Entstehung des Lebens spielt sich in den Auftriebsgebieten ab: Als Fläche machen sie insgesamt lediglich ein Prozent der Ozeane aus, „erschaffen“ aber die Hälfte des maritimen Lebens. Folglich sind sie die fischreichsten Gebiete des Planeten: Neben den Küsten vor Peru, Marokko und Kalifornien tummeln sich vor Südafrika, Namibia und Angola die meisten Speisefische – insbesondere Sardinen, Sardellen, Makrelen oder Seehechte. Unter anderem werden dort auch viele Langusten, Krabben und Thunfische gefangen.