Wüsten und Feuchtgebiet

An der Küste Namibias treffen die Wüste Namib und das Meer unmittelbar aufeinander – eine besonders in der Vergangenheit oft verhängnisvolle Begebenheit. Nicht ohne Grund wird die Küste in ihrem nördlichen, schroffen Abschnitt Skelettküste genannt. Unzählige Knochenfunde trugen ihr die unheilvolle Bezeichnung ein, wobei nicht nur Gebeine gestrandeter Wale am Ufer blichen. Auch die „Skelette“ zerschellter Schiffe belegten, wie gefährlich die der Küste vorgelagerte See ist mit ihren unvorhersehbaren Strömungen, einer tosende Brandung und der häufig sehr schlechten Sicht. Falls die gestrandeten Schiffbrüchigen das Land lebend erreichten, erwartete sie mitnichten das rettende Ufer. Dort bereitete ihnen die Wüste das sichere und qualvolle Ende.

Auch die Kalahari-Wüste hat eine wasserbezogene Besonderheit: in ihr liegt eines der größten Feuchtgebiete Afrikas, das Okavangodelta. Es ist entstanden, weil es den Okavango-Fluss anders als die meisten Ströme nicht an die Küste zieht. Stattdessen bildet er in der Kalahari ein Binnendelta und lässt während der Flut das dortige Feuchtgebiet auf bis zu 16.000 Quadratkilometer (etwas größer als Schleswig-Holstein) anschwellen. Führt der Okavango wenig Wasser, schrumpft das Delta wieder auf knapp 9.000 Quadratkilometer. Der Pegelstand des Okavango steigt jährlich dramatisch, wenn in Angola starke Regenfälle einsetzen. Allerdings erreichen die Wassermassen die letzten Verzweigungen des Deltas zeitlich stark verzögert erst zum Höhepunkt der Trockenzeit. Für viele Arten ist die Flutung des Feuchtgebietes lebensrettend und es wird zum Anziehungspunkt zahlreicher Tiere.