Geschichtliches

Angola: Königin Njinga und die Portugiesen

Nzinga Mdongo, Nzinga Mbande, Jinga, Singa, Ana Nzingha – die Königin, die einst auf dem Gebiet des heutigen Angolas herrschte, hatte diese und viele weitere Namen. Zwar ist das Quellenmaterial zur Geschichte dieser zu den schillerndsten Führerfiguren Afrikas zählenden Herrscherin eher dünn. Doch auch aus dem Wenigen, was man über Njinga weiß oder vermutet, lässt sich ein erstaunlicher Lebensweg einer verblüffenden Persönlichkeit nachzeichnen.

Königin Njinga muss einen bedingungslosen Willen zur Macht gehabt haben, denn sie erklomm im Laufe ihrer Karriere nicht nur einen, sondern gleich mehrere Throne, wobei sie mit jedem paktierte, der ihr für ihre Vorhaben nützlich erschien. Diese ständig wechselnden Bündnisse waren wesentlich für Njingas Erfolg und ein Resultat ihres herausragenden diplomatischen Geschicks. Ebenso gekonnt entwarf die scharfsinnige Taktikerin militärische Strategien und war sich auch nicht zu schade, selbst in den Kampf zu ziehen. Mehr als drei Jahrzehnte gelang es Njinga, das Gebiet des heutigen Angolas vor den kolonialen Bestrebungen der Portugiesen zu bewahren. Wenn es ihr dabei auch weniger um das Wohl afrikanischer Völker ging: Njinga füllte ihre Kasse vor allem mit Einkünften aus dem Sklavenhandel mit Europäern.

Die um 1583 geborene Njinga erlangte die Macht, obwohl vieles gegen ihre Inthronisierung sprach: So soll es Frauen verboten gewesen sein, an die Spitze des Ndongo-Reiches zu treten. Vor ihr war ihr Halbbruder König (bzw. „Ngola“), der zwar biologisch mit ihr verwandt war, aber nicht nach Stammestradition als Angehöriger galt: in der matrilinearen Gesellschaft des Ndongo-Reiches galten nur Menschen mit derselben Mutter als verwandt, was auf Prinzessin Njinga und den König nicht zutraf – sie hatten verschiedene Mütter. Nach seinem Ableben verstand es Njinga jedoch, die richtigen Fäden zu ziehen: zu diesem Zeitpunkt waren die Portugiesen die eigentlichen Machthaber am Regierungssitz des Reiches. Die Prinzessin nutzte ihren guten Draht zur Kolonialmacht, um sie davon zu überzeugen, dass sie die einzige verbliebende Verwandte des toten Königs sei und nur sie den Herrschertitel rechtmäßig tragen könne. Wohl wissend, dass dieses Argument der „Rechtmäßigkeit des Blutes“ lediglich europäischer Kultur und nicht der ihres Volkes entsprang. Letztendlich halfen die Portugiesen Njinga bei der gewaltsamen Machtergreifung. Bei ihrem eigenen Volk fand sie als illegitime Herrscherin jedoch so gut wie keinen Rückhalt.

Schon vor Njingas Regentschaft blutete die Region durch den florierenden Sklavenhandel aus. Als Königin gestattete sie dennoch portugiesischen Sklavenhändlern und Missionaren, bis ins Landesinnere vorzudringen. Im Gegenzug beteuerten die Portugiesen, keine militärische Präsenz zeigen zu wollen, brachen diese Vereinbarung aber nach wenigen Jahren und tauschten Njinga durch einen folgsameren König aus. Njinga gelang es daraufhin, Imbangala um sich zu scharen – militärisch aufgestellte und wegen ihrer Grausamkeit gefürchtete Plünderergruppen. Allerdings akzeptierten sie Anführerinnen, attackierten unter Njingas Kommando portugiesische Sklavenhändler und nahmen das landeinwärts gelegene Matamba-Reich ein. So brachte Njinga auch eine bedeutende Route des Sklavenhandels unter ihre Kontrolle und machte Matamba zu einem Zentrum des Menschenhandels, wobei sie die Portugiesen lange von den Geschäften ausschloss. Njinga starb etwa 80-jährig in Matamba. Erst nach ihrem Tod wurde das Königreich 1671 von den Portugiesen überrannt, die es aber bis ins 20. Jahrhundert hinein nie ganz unter ihre Kontrolle brachten.

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