Simbabwe im Umbruch

Das unter Robert Mugabe heruntergewirtschaftete Simbabwe ist offiziell eine parlamentarische Demokratie. Doch Mugabe, der die Regierung seit 1980 zuerst als Premier und ab 1987 als Exekutivpräsident für die ZANU-Partei (Zimbabwe African National Union) führt, missbrauchte sein Amt massiv, um sich und seinen Klientelen Geld und Einfluss zu verschaffen. Mit massiven Wahlfälschungen hielt sich der Diktator bislang an der Spitze, doch der letzte Urnengang verlief trotz starker Manipulationen im Vorfeld für ihn und die ZANU desaströs. Opposition und Präsidentschaftskandidat Morgan Tsvangirai fuhren überwältigende Wahlsiege ein. Dennoch wurde eine Stichwahl angesetzt, der eine staatlich organisierte Gewaltorgie vor allem gegen Oppositionelle vorausging. Etwa 200 Menschen wurden getötet, Tausende wurden misshandelt, vergewaltigt und vertrieben. Tsvangirai reagierte mit dem Rückzug seiner Kandidatur, was Mugabe die Gelegenheit gab, sich zum Wahlsieger zu erklären.

Aus verschiedenen Gründen sah sich Mugabe letztendlich dennoch genötigt, die Opposition an der Regierung zu beteiligen. Tsvangirai wurde Ministerpräsident, Mugabe blieb Präsident und damit Staatsoberhaupt, die Ministerposten wurden in monatelangen Verhandlungen zwischen ZANU und den beiden Oppositionsparteien aufgeteilt. Zwar gestaltet sich die Regierungsarbeit mehr als schwierig. Doch seit die Koalition im Februar 2009 angetreten ist, konnten immerhin einige Abwärtsspiralen in den Bereichen Gesundheit, Bildung und Inflation aufgehalten werden. Ende 2008 stand das Land unmittelbar vor dem Zusammenbruch – Schulen und Krankenhäuser arbeiteten größtenteils nicht mehr, gleichzeitig breitete sich die Cholera epidemisch aus und Soldaten zogen plündernd durch die Hauptstadt. Als eine Maßnahme gegen die galoppierende Inflation (die Inflationsrate erreichte zuletzt beispiellose Trillionen Prozent) wurde die Landeswährung abgeschafft und sind nun vor allem US-Dollar und südafrikanische Rand Zahlungsmittel in Simbabwe.