Rohstoffreichtum und seine Auswirkungen

In der Vergangenheit waren die kostbaren Bodenschätze in der Region Ursache für blutige Konflikte, unter denen die Zivilbevölkerung am heftigsten zu leiden hatte. So befeuerte Angolas Rohstoffreichtum den Bürgerkrieg etwa zehn Jahre über das Ende des Kalten Krieges hinaus auf insgesamt 27 Jahre. Einerseits wollten die Konfliktparteien die Erdöl- und Diamantenvorkommen unter ihre alleinige Kontrolle bringen, andererseits finanzierten sie mit den Rohstoffen ihre Auseinandersetzungen: Während die „Volksbewegung zur Befreiung Angolas“ MPLA das nötige Geld aus küstennahen Erdölvorkommen bezog, beglich die „Nationale Union zur völligen Unabhängigkeit Angolas“ UNITA ihre Kriegsausgaben aus dem Handel mit Diamanten, die im Nordosten des Landes teils von zivilen Zwangsarbeitern geschürft wurden. Zwischen 1992 und 1998 sollen die UNITA-Rebellen Diamanten im Wert von 3,7 Milliarden US-Dollar abgesetzt haben. Die Vereinten Nationen verabschiedeten schließlich eine Resolution, die Angola untersagte, das edle Mineral auszuführen. Doch damit ließ sich der Schmuggel nicht in den Griff bekommen. Auch um die angolanische Regierung bei der Bekämpfung der Rebellen zu unterstützen, einigten sich im Jahr 2000 Vertreter von 52 Staaten auf den sogenannten Kimberly-Prozess, der den Verkauf von „Blutdiamanten“ verhindern soll, indem die teilnehmenden Ländern nur noch Steine mit Herkunftszertifikat handeln.

Vom illegalen Rohstoffhandel profitieren nicht immer Rebellentruppen. In Simbabwe lassen von Robert Mugabe beauftragte Soldaten unter schweren Menschenrechtsverletzungen nach Rohdiamanten schürfen, weswegen die Menschenrechtsorganisation Human Rights Watch vor „Blutdiamanten“ aus Simbabwe warnt. Im südlichen Afrika gibt es viele Kleinschürfer, die ohne Genehmigung nach Rohdiamanten suchen. In Simbabwe wurden laut Human Rights Watch etwa 200 von ihnen bei einer Säuberungsaktion der Armee ermordet. Aber nicht nur dort geht die Regierung hart gegen die „illegalen“ Diamantensucher vor: Auch in Angola werden sie im Auftrag der Regierung verjagt, verprügelt und vergewaltigt. Und in Botsuana verletzt die Regierung im Namen der Diamantenindustrie Menschenrechte: Traditionell lebende Buschleute wurden mit brutalen Mitteln aus ihrem Reservat in der Kalahari-Wüste vertrieben – im angestammten Lebensraum der Indigenen waren Diamantenvorkommen gefunden worden.

In den meisten Ländern des südlichen Afrikas ist es bisher kaum gelungen, die Wirtschaft weniger abhängig vom Rohstoffverkauf zu machen. Dadurch kann sich ein Verfall eines Welt-Rohstoffpreises (teilweise werden mehr als 90 Prozent der Exporteinnahmen über die Ausfuhr eines oder weniger Rohstoffs bestritten) katastrophal auf die Beschäftigtenzahl auswirken. Denn die zumeist multinationalen Investoren reagieren nicht selten empfindlich auf sinkende Einnahmen und ziehen sich abrupt zurück. Erst 2009 rang Sambia mit einem niedrigen Kupferpreis: Auf einen Schlag verloren beispielsweise in der Stadt Luanshya 2.000 Menschen ihre Arbeit, weil das größte Bergwerk der Region vom einen auf den anderen Tag schloss. Fast alle Einwohner dieses Ortes bestreiten ihren Lebensunterhalt direkt oder indirekt über den Betrieb der Kupferminen. Auch in Botsuana ist es bisher nicht gelungen, die Dominanz der Diamantenindustrie abzuschütteln und weitere Wirtschaftszweige wesentlich zu stärken.