De Beers: Der größte Diamantenkonzern der Welt

Der Diamantenhandel im südlichen Afrika ist unauflösbar mit einem Imperium verbunden: De Beers, der weltmarktführende Diamantenabbaukonzern. Neben der Diamantenförderung schlägt das Unternehmen etwa die Hälfte aller weltweit gehandelten Diamanten um. Seit den Anfängen der Diamantenschürfung im südlichen Afrika baute De Beers seine Macht in der Region aus und konnte sich dabei enge Verbindungen zur Politik zunutze machen. So bekleidete Unternehmensgründer Cecil John Rhodes auch politische Ämter und vertrat dabei die Interessen von De Beers. Als Parlamentarier und späterer Premierminister der damaligen Kapkolonie veranlassten ihn Diamanten- und Goldfunde, einen Krieg gegen die Burenrepublik Transvaal (heute Teil von Südafrika) zu unterstützen und selbst zur Waffe zu greifen: Um Transvaal einzukreisen wurden unter seinem Kommando 1885 das heutige Botsuana und wenige Jahre danach das nach ihm benannte Rhodesien (heute Sambia und Simbabwe) eingenommen.

Daneben führte Rhodes die British South Africa Company (BSAC), die Gebiete und Minen erschloss und verwaltete. Ihr ging es neben Diamanten vor allem um Gold. Seit 1889 verfügte das Unternehmen über einen Schutzbrief der britischen Regierung, was ihm fast völlig Handlungsfreiheit bei der Verwaltung bestimmter Areale gab. Mit einer selbst rekrutierten Privatarmee führte die BSAC blutige Kämpfe gegen die ansässigen Völker. Allerdings soll Cecil Rhodes nicht allein von Gewinnkalkülen getrieben worden sein: Er galt als glühender Verfechter des Kolonialismus, der in den Briten die erste Rasse der Welt sah.

Auch in Namibia ist der Einfluss von De Beers groß: 1908 wurden in der damals deutschen Kolonie praktisch über Nacht 40.000 Karat Diamanten gefunden. Um die edle Ressource vor ungebetenen Schürfern zu schützen wurde unverzüglich ein 26.000 Quadratkilometer großes Areal zum Sperrgebiet erklärt, das auch heute noch in seinen nahezu originalen Ausmaßen besteht. Anfangs waren neun Gesellschaften zur Ausbeutung der Claims berechtigt, die nach dem Ersten Weltkrieg allesamt von Ernest Oppenheimer gekauft und zur Consolidated Diamond Mines of South West Africa zusammengefasst wurden. Später wurde dieses Unternehmen von De Beers aufgekauft.

In Botsuana dominiert De Beers ebenfalls den Handel mit Rohdiamanten, wobei der Staat 15 Prozent der Anteile am Konzern hält. Wenn der Staat gegen die Interessen von De Beers handeln würde, würde er damit also auch sich selbst schaden. Dass die Regierung die Forderungen des Diamantenkonzerns durchaus vertritt, zeigte der Vertreibung der Buschleute aus einem Reservat in der Kalahari-Wüste, die seit tausenden Jahren ihre Heimat war.

Die Lebensweise der Indigenen kollidierte mit De Beers‘ Interessen, als dort in den 80er Jahren Diamanten gefunden wurden. In drei „Schüben“ (1997, 2002 und 2005) wurden so gut wie alle Buschleute von der Regierung dazu gebracht, das Reservat zu verlassen – mit finanziellen Anreizen, aber auch mit Gewalt.

Die Buschleute klagten gegen die Verletzung ihrer Rechte, doch obwohl sie 2006 vor der höchsten gerichtlichen Instanz Botsuanas einen Teilerfolg errangen, hat sich ihre Lage nicht verbessert. Nach wie vor harrt die Mehrheit der Buschleute in Umsiedlungscamps außerhalb des Reservats aus. In den Lagern sind sie abhängig von staatlichen Leistungen und es breiten sich Langeweile, Depressionen, Alkoholismus und Krankheiten wie Tuberkulose und AIDS aus. Unter fadenscheinigen Begründungen dürfen sie weder jagen noch ihre kleinen Ziegenherden durch das Reservat treiben. Ohne die Möglichkeit zur Nutzung der Wüste können die Buschleute ihre an die Kalahari angepasste Lebensweise jedoch nicht erhalten.