AIDS

Im südlichen Afrika tragen die weltweit höchsten Bevölkerungsanteile das Humane Immunschwäche Virus (HIV) in sich. Etwa ein Drittel der weltweit 40 Millionen HIV-Infizierten lebt in der Region und die Epidemie hat sich zu einem sich weiter verschärfenden sozialen und ökonomischen Problem ausgewachsen. Besonders verheerend wirken sich die AIDS-Erkrankungen Ländern mit relativ wenigen Bewohnern aus: Von den gerade einmal knapp einer Million Menschen in Swasiland waren 2005 etwa 42 Prozent HIV-positiv, das ist die höchste HIV-Infektionsrate der Welt. Nimmt man Kinder und Alte aus, leben sogar mehr als 60 Prozent der Swasiländer mit dem Erreger. Die Lebenserwartung ist mit etwas über 30 Jahren die niedrigste der Welt.

Auch Botsuana hat eine kleine Bevölkerung und registrierte 2008 die weltweit zweithöchste Häufigkeit an HIV-Infektionen. Etwa jeder Dritte der knapp 1,8 Millionen Einwohner ist Träger des Virus. Noch leistet sich Botsuana eines der am höchsten entwickelten Gesundheitssysteme Afrikas, was vermutlich einer der Gründe dafür ist, dass die Lebenserwartung noch nicht dramatischer als auf 50 Jahre gesunken. Aber die dramatischen Schäden, die Krankheit und Sterben ausgerechnet in den Generationen mit der höchsten Lebenskraft anrichten, sind nicht zu übersehen. Wegen der vielen Ausfälle und Verluste wird es auch für den botsuanischen Staat immer schwieriger, beispielsweise Behördendienste im nötigen Umfang anzubieten. AIDS gefährdet die Funktionsfähigkeit von Verwaltung, Wirtschaft und der Gesellschaft insgesamt.

Selbst die Fürsorge für die hinterbliebenen Kinder ist nicht selbstverständlich: Allein in Botsuana leben bereits mehr als 130.000 Aidswaisen, um die sich irgendjemand kümmern muss. Im gesamten südlichen Afrika wächst das Heer der Kinder, die beide Elternteile an die Krankheit verloren haben. Laut Unicef soll ihre Zahl in ganz Afrika dieses Jahr auf über 15,7 Millionen Kinder steigen, von denen die meisten auf der Südhälfte des Kontinents leben.

Der Leidensweg der Aidswaisen beginnt meist schon vor dem Tod der Eltern, wenn sie nicht nur Zeuge des allmählichen gesundheitlichen Verfalls und Sterbens werden, sondern oft auch in die Pflege eingebunden sind. Besonders Mädchen sollen verstärkt bei der Krankenversorgung und im Haushalt mithelfen und werden oft von der Schule genommen. Nach dem Tod der Eltern können sie ihre Ausbildung meist nicht fortsetzen, weil sie nun arbeiten müssen, um überleben zu können. Schutzlos sind sie dabei der Gefahr von Missbrauch und Ausbeutung ausgesetzt, was nicht nur für verwaiste Mädchen gilt. Das Miterleben des elterlichen Leidensweges traumatisiert viele Kinder, sie leiden unter Ängsten und Depressionen. Traditionell werden Waisen von anderen Familien aufgenommen, aber inzwischen gibt es so viele bedürftige Kinder, dass die Familien überfordert sind.