Wein und Sekt

Aus den südlichen Ländern Afrikas kommen nicht unbedingt die „klassischen“ fair gehandelten Produkte wie Kaffee oder Kakao. So gehören südafrikanische Weine zu den jüngeren Erzeugnissen im Sortiment der Fairhandelsorganisationen. Nicht nur Weinkenner wissen, dass Südafrika über ausgezeichnete Weinlagen verfügt. Wie im Nord-Westen des Landes, wo das Klima halbtrocken ist und ein gleichmäßiges Sonnenlicht die Trauben heranreifen lässt. Dort liegt Stellar Organics, das erste Weingut Südafrikas, das Weine in kontrollierter Bio-Qualität unter den Bedingungen des Fairen Handels produziert.

Stellar verarbeitet Trauben aus fünf Weingärten, in denen beispielsweise Pinotage-, Shiraz- und Merlot-Reebstöcke gedeihen. Um „bio“ zu sein, dürfen sie weder mit Pestiziden noch mit Herbiziden behandelt worden sein. Damit die Qualität des Bio-Weins dennoch stimmt, müssen die Winzer ihre Rebstöcke aufwändig umsorgen. Die Eigentümer der Weingärten wirken teilweise an der Leitung von Stellar mit.

Unter der zu etwa zwei Drittel weiblichen Belegschaft sind viele alleinerziehende Mütter und die Betriebleiterin Marie Malan legt großen Wert darauf, besonders die Frauen zu fördern. Wer bei Stellar angestellt ist, wird nach dem Vorbild des südafrikanischen Regierungsprogramms „Black Economic Empowerment“ am Unternehmen beteiligt. Auf diese Weise sollen Schwarze und Farbige stärker in das Wirtschaftsgeschehen nach der Apartheid eingebunden werden. Während der Weinlese werden zusätzlich zu den Festangestellten dort etwa 200 Saisonarbeiter beschäftigt.

Die erwirtschafteten Fairtrade-Prämien wandern in einen Treuhandfonds, der von den Angestellten verwaltet wird. So wurden daraus schon verschiedene Arbeiten auf Grundstücken der Beschäftigten bezahlt. Daneben bietet Stellar eine Reihe betrieblicher Sozialleistungen, wie einen kostenlosen Transport zum Arbeitsplatz oder die kostenlose medizinische Versorgung aller Familienmitglieder.

Im westlichen Südafrika keltert die Genossenschaft Goue Vallei (Goldenes Tal) hochwertigen Schaumwein wird für El Puente. In der fruchtbaren und artenreichen Bergregion bauen die 115 Genossenschaftsmitglieder die Trauben nach konventionellen Methoden an, wobei sie sich bemühen, die einheimische Artenvielfalt zu erhalten. Neben Sekt stellt Goue Vallei auch Rot- und Weißwein sowie Rosé her.

Im Inland verkauft die 1958 gegründete Winzer-Gruppe den meisten Wein, aber immerhin ein Viertel geht in den Export. Außer den Wein- werden auch Tafeltrauben, anderes Obst und Rooibos-Tee angebaut. Die Mehreinnahmen aus dem Fairen Handel fließen vor allem in Sozialmaßnahmen für die Arbeiterschaft. Besonders Frauen und Jugendliche werden weitergebildet, wie über Fragen aus dem landwirtschaftlichen Bereich sowie zu AIDS und Alkohol- oder Drogenmissbrauch. Die Arbeiterinnen und Arbeiter haben geregelte Arbeitszeiten, ihre festen und regelmäßig erhöhten Löhne werden pünktlich gezahlt, es gibt eine Altersvorsorge. Außerdem bekommen sie Prämien, bezahlten Urlaub und können günstigere Lebensmittel sowie Kredite zu guten Konditionen aus einem eigens eingerichteten Fonds beziehen. Die meisten von ihnen sind zudem gewerkschaftlich organisiert.