Rooibos

Das bei uns wohl bekannteste Getränk aus Südafrika ist der Aufguss aus den Zweigen des Rotbuschs. Rotbusch wächst in den Zederbergen im Westen des Landes, wo es im Winter regnet. Seit langem wird die immergrüne Pflanze, die in der Natur erst beim Absterben die namensgebende Rotfärbung zeigt, von der Bevölkerung genutzt: zur Zubereitung von Getränken, aber auch als Gewürz oder zur Haarfärbung. Der bis zu etwa einen Meter hohe Rotbusch ist genügsam, da er wegen seiner tiefen Wurzeln nicht auf künstliche Bewässerung angewiesen ist. Obwohl er wild in großen Beständen vorkommt, wird der für den Handel gedachte Rooibos meist in Plantagen angebaut.

Kleine Rotbuschbauern brauchen nicht nur wegen der Konkurrenz durch Großplantagen besondere Unterstützung: Erst nach dem Ende der Apartheid wurde das staatliche und von weißen Farmern gehaltene Rooibos-Monopol aufgelöst und teilprivatisiert. Dennoch ist es für schwarze Kleinbauern immer noch schwierig, ihre Ernte zu guten Bedingungen zu vermarkten. Denn viele müssen ihre Erträge an Zwischenhändlern zu einem sehr niedrigen Preis abtreten. Sowohl El Puente und die GEPA als auch der Teehändler Oasis haben deshalb fair gehandelten Rooibos-Tee im Angeot.

Der Tee kommt beispielsweise von der Wupperthal Rooibos Tea Cooperative (vormals Wupperthal Organic Farmers Association), die 1997 mit Unterstützung der Deutschen Gesellschaft für Technische Zusammenarbeit (GTZ) von Kleinbauern gegründet wurde. Die Kooperative produziert Rooibos zertifiziert ökologisch und fair. Inzwischen beteiligen sich an ihr 171 Kleinbauern und längst wurde ein unabhängiger Vertrieb erschlossen. Da jedoch der inländische Rooibos-Markt faktisch nach wie vor von einem Unternehmen beherrscht wird, ist die Möglichkeit des Exports für die Kleinbauern besonders wichtig. Obwohl bislang erst zehn bis fünfzehn Prozent der Erträge vom Fairen Handel abgenommen werden, haben die Mehreinnahmen die Lebensumstände der Kleinbauern schon deutlich verbessert: so wurden ein Kleinlaster, ein Traktor und ein Anhänger gekauft. Das spart den Mitgliedern viel Geld, da sie nun keine externen Transportleistungen mehr in Anspruch nehmen müssen. Neben weiteren einmaligen und laufenden Anschaffungen und der Bezahlung von Reparaturen wurde mit den Prämien ein Fonds eingerichtet, mit dessen Kapital neuen Mitgliedern der Einstieg erleichtert wird. Für die Kleinbauern, die auch Lebensmittel für den Eigenbedarf anbauen, ist der Rooibos eine wichtige Einnahmequelle, die ihnen Zukäufe ermöglicht. Zum Selbstverständnis der Kooperative gehört der nachhaltige Umgang mit der Natur, weswegen der Rooibos ökologisch angebaut wird. Sie ist darüber hinaus bemüht, das indigene Erbe der in der Region einst beheimateten Khoi-San, dem berühmten Buschvolk der Kalahari, zu erhalten.

Übrigens hat das südafrikanische Wupperthal nur 4.000 Einwohner, blickt aber auf eine besondere Geschichte zurück: Gegründet wurde es 1829 im Auftrag der Rheinischen Missionsgesellschaft, sein Name sollte das Andenken an die Heimat der Siedlungsväter bewahren. Später wurde das Dorf von einem Zweig der Herrenhuter Brüdergemeinschaft verwaltet. Sie war dem Apartheidsregime immer ein Dorn im Auge, da ihr Menschenbild Gleichberechtigung unabhängig von der Hautfarbe vorsah. Während der Rassentrennung war Wupperthal eine der wenigen liberalen „Inseln“ in Südafrika, wo Schwarze Land finden und frei leben konnten.