Kunsthandwerk

Beim südafrikanischen Projekt Streetwires ist man auf Draht: Dort werden aus unterschiedlichen Drähten und Perlen kunsthandwerkliche Objekte geformt, das einzige Werkzeug ist eine Zange. Bei Streetwires sind 120 Menschen angestellt, die meisten von ihnen arbeiten in Kapstadt. Entworfen werden die Produkte von einem Hausdesigner. Die meisten Beschäftigten kommen aus einer der sozial benachteiligten Gesellschaftsgruppen, etwa die Hälfte der Belegschaft ist weiblich. Unter den Angestellten sind auch Flüchtlinge aus Simbabwe. Wer von einer HIV-Infektion oder AIDS-Erkrankung betroffen ist, bekommt medizinische und psychologische Betreuung. Allen Mitarbeitern wird angeboten, an weiterbildenden Kursen teilzunehmen. Außerdem bietet Streetwires Arbeitslosen ein Trainingsprogramm für Draht- und Perlenarbeiten an.

Das Kleinunternehmen African Home arbeitet mit 50 Produzentengruppen zusammen, die in den ärmsten Gegenden Südafrikas ansässig sind. Zwischen 80 und 90 Prozent der Einwohner sind dort ohne geregeltes Einkommen. Aber selbst jenen mit Arbeit fehlt es mitunter am Nötigsten: Rund 20 Prozent der von African Home beschäftigten Kunsthandwerker entbehren bestimmter Lebensgrundlagen, was an den schlechten Lebensbedingungen in ihren Heimatregionen liegt.

Das 2002 gegründete African Home betreut und erteilt Aufträge an die Produzenten, von denen etwa 60 Prozent Frauen sind und die die bestellten Waren in Heimarbeit anfertigen. Und das nicht nur in Südafrika: Auch in Swasiland werden beispielsweise traditionell gestaltete Ohrringe und dazu passende Halsbänder hergestellt. Gern wird dort auch Sisal weiterverarbeitet. Die Designs werden nicht einfach von African Home vorgeschrieben, sondern gemeinsam diskutiert, wie auch Trends, Pläne, Preise und Aufträge. Viele der Produzenten sind Flüchtlinge aus Simbabwe und eine hohe Anzahl der Beschäftigten ist von HIV oder AIDS betroffen. Alle Produzenten können an Jobtrainings teilnehmen, aber auch an Kursen über alltagsrelevante Themen.

Ob „Trabbi“ oder Luxusschlitten: Aus altem Blech formen die madagassischen Kunsthandwerker für Mahafaly jedes Auto nach. Die kleinen Blechvehikel sind eine Spezialität kleiner Familienbetriebe und Kooperativen, deren Erzeugnisse Mahafaly über den Fairen Handel vermarktet. Die bunten Spiezeugautos verbreiten gute Laune: – nicht nur, weil sie ihre Vorbilder auf spielerische Weise treffend imitieren, sondern auch, weil das verwendete Blech oft Markennamen oder Werbeslogans trägt, die manchmal so montiert werden, dass sie eine neue, witzige Bedeutung bekommen. Die Produzenten der Blechautos bekommen überdurchschnittliche Preise, zinslose Kredite, Vorausbezahlung, feste Verträge und werden in ihrer Weiterentwicklung unterstützt.

Wie Autos stammt auch die Idee für ihre kleinen Blechverwandten von der Straße: auf Madagaskar wurden sie von Straßenkinder in der Hauptstadt Antananarivo erfunden. Und auch die Ideengeber haben etwas vom Verkauf der Blechmodelle über Mahafaly: Die Gewinne gehen an einen eingetragenen Verein, der eine Sozialstation und zwei Ausbildungswerkstätten für auf der Straße lebende Kinder und Jugendliche betreibt. Dort werden ihnen Essen, medizinische Versorgung, eine Anlaufstation sowie die Möglichkeit einer Ausbildung geboten.