Keine Kontrolle

Traditionelle Rollenbilder, die nicht selten zusätzlich religiös begründet werden, hindern Frauen überall auf der Welt mehr oder weniger stark daran, ihren eigenen Weg zu gehen. Wenn sie aber dazu führen, dass Mädchen und Frauen der Zugang zu Bildung erschwert oder gar verwehrt wird, ist die Situation besonders dramatisch. Wer des Lesens, Schreibens und Rechnens nicht kundig ist, bleibt eher wirtschaftlich abhängig. Wer von den Möglichkeiten der sexuellen Selbstbestimmung und Geburtenkontrolle nichts erfährt oder, schlimmer noch, nichts erfahren darf, bleibt zusätzlich körperlich abhängig. Frühe Heiraten, frühe und (zahlreiche) unfreiwillige Schwangerschaften schwächen Frauen gleich mehrfach: Sie sind körperlich geschwächt und tragen die Risiken, die mit Geburten unter ungenügender medizinischer Betreuung einhergehen. In Entwicklungsländern sterben durchschnittlich 400 von 100.000 Schwangeren in Folge von Geburten oder auch unsicheren Abtreibungen, in Mali stirbt die Mutter bei einer von 170 Geburten. Mit jedem Kind werden auch die Aufgaben im Haushalt mehr, mit jedem Kind wird es für die Mütter schwerer, einer Erwerbsarbeit nachzugehen oder sich wirtschaftlich selbstständig zu machen. Und nicht zuletzt wird es für arme Familien mit jedem Kind schwerer, diesen Kindern Schulbildung zu verschaffen – nicht selten sind es dann die Mädchen, die zu Hause bleiben müssen. Gute medizinische Versorgung für Schwangere, Mütter und Kinder, Schutzmaßnahmen am Arbeitsplatz und nicht zuletzt Bildung, Aufklärung und der Zugang zu Verhütungsmitteln können Frauen helfen, diesen Kreislauf zu durchbrechen.