Keine Entwicklung ohne Frauen

Das große Missverhältnis zwischen der schwachen Position von Frauen in den meisten Gesellschaften und ihrem erheblichen Beitrag zum Bestehen derselben wurde lange nicht ganz gesehen. Heute weiß man zum Beispiel, dass es vor allem Frauen sind, die Bäuche füllen. Die Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation der Vereinten Nationen (FAO) schätzt, dass Frauen in Entwicklungsländern zwischen 60 und 80 Prozent und weltweit die Hälfte aller Nahrungsmittel erzeugen. Dennoch sind sie nicht vor Hunger geschützt. Frauen und Kinder stellen die meisten Unterernährten und sind am häufigsten von Mangelerkrankungen betroffen.

Nicht wenige Hilfsorganisationen sehen den Schlüssel zur wirksamen Bekämpfung der Armut und zu einer nachhaltigen wirtschaftlichen Entwicklung in den Händen der Frauen. Auch das Kinderhilfswerk der Vereinten Nationen, UNICEF, fordert mehr Einfluss für Frauen auf die Entscheidungsprozesse im Haushalt, am Arbeitsplatz und in der Politik. Der Internationale Währungsfonds (IWF) warnt vor den ungeheuren wirtschaftlichen Folgen, den die Benachteiligung von Frauen beim Zugang zu Bildung, Land, Kapital und Lohnarbeit hat. Die Schwesterorganisation der Weltbank und sieht darin einen Grund für mangelndes Wirtschaftswachstum und Hemmnisse in der Entwicklung von Volkswirtschaften.

Bisherige Erfahrungen in Entwicklungsländern haben gezeigt, dass es sich für die gesamte Gemeinschaft lohnt, Landfrauen zu stärken. Studien in Afrika, Asien und Lateinamerika zeigten, dass Familien besser genährt sind, wenn Frauen über mehr Geld verfügen und mehr Mitspracherecht dabei haben, wofür das Haushaltseinkommen ausgegeben wird. Dass Bildung das Schlüsselinstrument ist, ist eine weitere wichtige Erfahrung. Bildung für Frauen führt oftmals zu weniger Geburten, zu niedrigerer Kindersterblichkeit und zu einem besseren Gesundheitszustand und Lebensstandard für die gesamte Familie. Auch die Arbeitsproduktivität ist höher, wenn die Frauen Zugang zu Bildungs- und Weiterbildungsangeboten haben. Auch die Bildungssituation der Kinder verbessert sich, wenn Frauen wirtschaftlich unabhängiger sind und selbst Bildung genossen haben. Besonders Mädchen erhalten eher eine Schulbildung, wenn auch ihre Mütter zur Schule gehen durften. Und nicht zuletzt ist Bildung ein wesentlicher Faktor wenn es darum geht, Frauen mehr Teilhabe an gesellschaftlichen und politischen Entscheidungsprozessen zu verschaffen und sie dazu zu befähigen, ihre persönlichen Rechte wahrzunehmen.