Ägypten

Etwa 75 Millionen Menschen leben heute in Ägypten, das durch seine Lage an Mittel- und Rotem Meer und durch den Nil zu den fruchtbareren der Nordafrikanischen Staaten gehört. Ägyptens Hauptstadt Kairo ist nicht nur die größte Stadt Arabiens, sondern gehört auch zu ihren wichtigsten kulturellen, wissenschaftlichen und wirtschaftlichen Zentren. So steht etwa das einzige Opernhaus der arabischen Welt in der 16-Millionen-Metropole. Neben der Landessprache Arabisch werden, als Erbe der jüngeren Kolonialgeschichte, auch Englisch und Französisch gesprochen.

Wie in Kairo so sind auch in anderen Orten des Landes Spuren der bewegten jahrtausendealten Geschichte Ägyptens sichtbar. Schon vor über 5.000 Jahren entstand dort eine Hochkultur, um das Jahr 525 n.Chr. fiel Ägypten an die Perser und etwa 300 Jahre später ans Römische Reich. Mit der Eroberung Ägyptens durch die Araber im Jahr 640 wurde der Grundstein für den Islam in dieser Region gelegt. Um das Jahr 1800 besetzte Napoleon Ägypten. Infolge des Baus des Suez-Kanals wurde das Land schließlich 1882 der Britischen Krone unterstellt. Erst im Jahr 1922 wurde Ägypten als Königreich wieder unabhängig.

Die weit überwiegende Mehrheit der Bevölkerung gehört heute dem Islam an. Schätzungsweise sechs bis zehn Prozent der Ägypter sind jedoch christlichen Glaubens. Sie gehören überwiegend zu den Kopten, einer katholischen Glaubensrichtung, die sich schon im ersten Jahrhundert nach Christus entwickelte und bis zum Beginn der Islamisierung die wichtigste Religion in dieser Region war. In Kairo ist darüber hinaus eine kleine jüdische Gemeinde ansässig. Sie erinnert daran, dass Ägypten einst die Heimat vieler Tausend Juden war, bevor sie nach 1948 nach und nach zum Verlassen des Landes gedrängt wurden.

Ägyptens Wirtschaft hängt stark von Devisen aus dem Ausland ab. Einnahmen erzielt das Land vor allem mit dem Geschäft mit Erdgas und Erdöl, dem Suez-Kanal, Baumwolle und dem Tourismus: Allein aus Deutschland kommen jährlich etwa eine Million Besucher, um die Spuren der jahrtausendealten Hochkulturen, die zahlreichen Ausgrabungsstätten und UNESCO-Baudenkmäler zu bestaunen. Mehr als jeder Vierte erwerbsfähige Ägypter verdient seinen Lebensunterhalt in der Landwirtschaft, infolge der wachsenden Bevölkerung und des wenigen fruchtbaren Landes (97 Prozent der Landesfläche sind Wüste) ist der Nil-Staat dennoch auf Nahrungsmittelimporte angewiesen. Auch die Überweisungen von im Ausland lebenden Ägyptern an ihre Verwandten sind eine wichtige Größe der ägyptischen Volkswirtschaft.