Algerien

Dort, wo die nördliche Sahara nur durch das Atlasgebirge vom Mittelmeer getrennt ist, liegt Algerien. Der weitaus größte Teil dieses zweitgrößten Landes auf dem afrikanischen Kontinent ist Wüste, nur drei Prozent der Landesfläche eignen sich für die Landwirtschaft. Die meisten der etwa 32 Millionen Einwohner des Landes leben in dem schmalen Küstenstreifen im Norden. Oasen im Süden sowie die Steppen können ebenfalls genutzt werden.

Etwa ein Drittel der Algerier kann nach seinen familiären Wurzeln den Berbern zugerechnet werden. Längst sprechen die meisten von ihnen jedoch auch Arabisch und sind auf irgendeine Weise mit den arabischstämmigen Einwohnern vermischt. In einigen, entlegenen Gebieten des Landes, sind die alten Berberkulturen jedoch noch sehr lebendig, dort, vor allem im Süden und Nordosten des Landes bahnen sich auch die lange unterdrückten alten Sprachen ihren Weg zurück in den Alltag. Die allermeisten Algerier sind Muslime, wobei die Abkömmlinge der Berber jedoch oftmals weder dem sunnitischen noch dem schiitischen Islam zugerechnet werden können. Nur ein kleiner Teil der Bevölkerung ist christlichen Glaubens, ein noch kleinerer gehört den wenigen, lokal begrenzten jüdischen Gemeinden an.

Bereits vor etwa 5.000 Jahren siedelten Berbervölker auf dem Gebiet des heutigen Algeriens. Sie entwickelten eine Schriftsprache, die in weiterentwickelter Form bis heute von den Tuareg genutzt wird. Gegen Ende des siebten vorchristlichen Jahrhunderts erreichten die Araber die Region, deren Islamisierung sich die Völker Algeriens allerdings recht erfolgreich widersetzten. Erst im 13. Jahrhundert wurde das Land endgültig arabisch. Im Jahr 1519 die Spanier das wüstenreiche Land erobern wollten, entzogen sich die Algerier, indem sie sich unter die Herrschaft des Osmanischen Reiches begaben. Über Jahrhunderte machten algerische Seeräuber das Mittelmeer unsicher, bis ins 19. Jahrhundert hinein blieben Spanier, Franzosen, Niederländer und Briten mit ihrem Kampf gegen die Piraten erfolglos. Das änderte sich erst als Frankreich 1830 Algerien besetzte, Franzosen in den fruchtbaren Gebieten ansiedelte und die Aufstände der Bevölkerung über Jahrzehnte abwehrte. Insgesamt ließen 1,5 Millionen Algerier ihr Leben im Kampf um die Unabhängigkeit des Landes, die schließlich 1962 eintrat. Um die wirtschaftliche Abhängigkeit von Frankreich zu überwinden, suchte Algerien zunächst die Nähe zur Sowjetunion und ihrer sozialistischen Verbündeten. Ab 1972 nahm das Land jedoch Kontakt zum Westen auf und trieb ab 1988 schließlich seine Demokratisierung voran.

Heute gehört das Land nach Angaben des Entwicklungsprogramms der Vereinten Nationen zu den Staaten mit einem hohen Stand der menschlichen Entwicklung. Seine Wirtschaft wird vor allem durch die Förderung und den Export von Erdgas und Erdöl bestimmt – weit über 90 % der Deviseneinnahmen werden im Energieexport erwirtschaftet, der zwar viel Geld aber wenige Arbeitsplätze bringt. Auch der Abbau von Phosphat, Steinkohle, Zink-, Blei- und Kupfer trägt zur Wirtschaftsleistung bei. Die verschiedenen Formen der Landwirtschaft, neben Getreide- und Obstanbau spielen auch Weinbau und Weidewirtschaft eine wesentliche Rolle, beschäftigen zwar ein Viertel aller Erwerbstätigen, tragen jedoch nur wenig zur Wirtschaftskraft des Landes bei. Ein Großteil der nötigen Lebensmittel, vor allem Öl, Getreide und Zucker, werden importiert.