Libyen

Zwischen Ägypten, Tunesien und Algerien, im Norden durch das Mittelmeer, im Süden durch Niger, Tschad und Sudan begrenzt, liegt die Libysch-Arabische Volks-Dschamahirija, was sinngemäß etwa soviel wie „Sozialistische lybisch-arabische Volksrepublik“ heißt. Die heute knapp 6,5 Millionen Einwohner leben weit überwiegend im schmalen Küstenstreifen, 95 % der Landesfläche werden durch Stein-, Geröll- oder Sandwüsten beherrscht. Nicht ein einziger Fluss durchquert das Land, in dessen Inneren die weltweit höchsten je gemessenen Temperaturen herrschten; lediglich Wadis führen hin und wieder Wasser in seine Winkel.

Libyens Einwohner sind überwiegend Araber. Zehn Prozent können einem Berbervolk zugerechnet werden, im Westen des Landes vor allem den Tuareg. Während die allermeisten Libyer in den Städten der Mittelmeerküste leben, ziehen noch immer einige Tausend als Nomaden durch das Land. Ihre gemeinsame Sprache ist das Arabische, aber auch Englisch und Italienisch sowie einige Berbersprachen sind verbreitet. Der Islam ist die offizielle Staatsreligion Lybiens, wenige Zehntausend katholische und koptische Christen haben hier ebenfalls ihre Heimat. Angehörige jüdischer Gemeinden wurden planmäßig vollständig vertrieben.

Wie die anderen nordafrikanischen Staaten geriet auch das heutige Lybien im siebten nachchristlichen Jahrhundert unter den Einfluss der Araber und wurde islamisiert. Zuvor war es über viele Jahrhunderte von Ägyptern und Phöniziern besiedelt gewesen und seit dem ersten Jahrhundert Teil des Römischen Reiches. Im 16. Jahrhundert herrschten die Osmanen in Lybien, bis es schließlich in der Folge des italienisch-türkischen Krieges zu Beginn des 20. Jahrhunderts zur italienischen Kolonie wurde. Als zu Beginn der 1940er Jahre das deutsche Afrikakorps gemeinsam mit den Truppen des ebenfalls faschistischen Italiens gegen die Alliierten kämpfte, wurde Libyen erneut zum Kriegsschauplatz. Erst 1951 wurde Libyen schließlich unabhängig. Seit militärische Einheiten den anfangs regierenden König stürzten, wurde 1969 die Arabische Republik Lybien ausgerufen, die sich seither auf eigentümliche Weise seinen selbst ausgerufenen dritten Weg zwischen Kommunismus und Kapitalismus sucht.

Die tragende Säule der libyschen Wirtschaft sind die Erdölvorkommen, die 1959 entdeckt wurden und bis heute die wichtigste Einnahmequelle des Staates sind. 96 % der Exporterlöse werden in dieser Branche erwirtschaftet, andere Industriezweige fallen dagegen kaum ins Gewicht. In der Landwirtschaft ist Libyen vor allem durch seine Geografie benachteiligt: Weil nur 5 % der Landesfläche überhaupt landwirtschaftlich genutzt werden können, ist das Land nach wie vor auf den Import von Lebensmitteln angewiesen. Die überwiegend nomadische Viehwirtschaft liefert Fleisch, in den fruchtbaren Küstenregionen sowie auf den wenigen bewässerten Anbauflächen werden unter anderem Getreide, Zitrusfrüchte, Datteln, Mandeln und Oliven angebaut. Trotz der geringen Flächenkapazität setzt das Land dabei auf Export – Datteln und Oliven haben einen nicht unerheblichen Anteil an der jeweiligen Weltproduktion.

Das Erdöl erlaubte Libyen eine enorme Entwicklung. Bei seiner Gründung gehörte es zu den ärmsten Staaten der Erde, heute ist es eines der der wohlhabendsten Länder Afrikas. Unter den afrikanischen Staaten ist es das am meisten entwickelte und auch im Weltvergleich gehört Libyen zu den hochentwickelten Ländern. So sind etwa die ersten sechs Schuljahre kostenlos und während ihre Eltern auf durchschnittlich 7 Jahre Schulbildung zurückblicken können, dürfen die Kinder von heute auf 16 Jahre Bildung hoffen. Noch immer sind allerdings beinahe 30 % der Frauen und 8 % der Männer Analphabeten.