Marokko

Wer an der Südspitze Spaniens steht, kann bei gutem Wetter mit bloßem Auge nach Marokko sehen. Seine rund 32 Millionen Einwohner leben im westlichsten der Maghreb-Länder, das im Norden vom Mittelmeer, im Westen vom Atlantik und im Osten von Algerien begrenzt wird. Infolge des bislang völkerrechtlich ungeklärten Status‘ der Region Westsahara, ist auch die Südgrenze Marokkos nicht eindeutig.

Das „Maghrebinische Königreich“, wie die offizielle Bezeichnung lautet, war ursprünglich von Berbern besiedelt, etwa 40 % der Bevölkerung kann noch heute einem der verschiedenen Stämme zugeordnet werden. Der größte Teil der Marokkaner lebt sesshaft und im Norden des Landes, ein kleiner Teil nomadisch oder halbnomadisch. Neben dem Arabischen als offizieller Landessprache ist in Wirtschaft und Bildung auch Französisch weit verbreitet. Vor allem am Mittelmeer und in Westsahara wird zudem häufig Spanisch gesprochen. Viele Bürger beherrschen zusätzlich eine der Berbersprachen. Staatsreligion und mit Abstand wichtigste Religion des Königreichs ist der Islam, doch auch die wenigen zehntausend Christen und eine kleine jüdische Gemeinde haben ihre Heimat in Marokko.

Schon seit 400.000 Jahren siedelten Menschen und ihre Vorfahren auf dem Gebiet des heutigen Marokkos, bis ins 2. Jahrtausend von Christus reichen die Spuren der Berber zurück. Im 12. vorchristlichen Jahrhundert richteten die Phönizier an der Küste Handelsniederlassungen ein, kurz vor Beginn der christlichen Zeitrechnung wurde das Gebiet römisches Protektorat und schließlich im Jahr 42 römische Provinz. Die im 5. Jahrhundert einfallenden Vandalen, scheiterten noch am Widerstand der Bevölkerung. Auch die Araber, die um 700 die Islamisierung der ansässigen Berberstämme vorantrieben, mussten zunächst zahlreiche Aufstände niederschlagen, bis zum Ende des 10. Jahrhunderts war das Land jedoch das Zentrum des Islam in Nordafrika. Mit dem Beginn des 16. Jahrhunderts begann der Einfluss der Spanier und Portugiesen, die Handelsstützpunkte an den Küsten errichteten. Auch Frankreich versuchte nach der Eroberung Algeriens, seinen Einfluss auf Marokko auszudehnen. Zu Beginn wurde das Land schließlich in ein französisches und ein spanisches Protektorat geteilt. Erst 1956 wurde Marokko schließlich als Königreich von Spanien und Frankreich unabhängig. Einige spanische Enklaven mussten noch bis 1969 darauf warten und noch heute sind die Besitzansprüche beider Staaten noch nicht vollständig geklärt.

Geografisch und klimatisch begünstigt, kann Marokko auf eine für nordafrikanische Verhältnisse bedeutende Landwirtschaft verweisen. Etwa 40 % der Bevölkerung verdient ihren Lebensunterhalt in diesem Sektor und auch die Deutschen haben etwas davon: Zitrusfrüchte, Mandeln, Fisch, Oliven und Kräuter werden auch in den europäischen Norden exportiert. Daneben importiert Deutschland vor allem Schuhe und Textilien aus Marokko, die Textil- und Lederindustrie verliert jedoch zusehends an Bedeutung. Neben der Landwirtschaft ist es vor allem der Dienstleistungssektor, der den Menschen Arbeit gibt. Das Land bemüht sich unter anderem um den Ausbau seiner touristischen Infrastruktur. Neben traumhafter Landschaft und zauberhaften Städten verfügt das Königreich am Mittelmeer auch über erhebliche Phosphatvorräte. Phosphat sowie Erzeugnisse daraus (bspw. Düngemittel) spielen für die Exportstatistik ebenfalls eine bedeutende Rolle. Rohöl und Treibstoffe, Autos, chemische Rohstoffe und Getreide gehören dagegen zu den Gütern, die Marokko in großem Stil importieren muss.