Tunesien

Etwa 10 Millionen Menschen leben in Tunesien, dem kleinsten der nordafrikanischen Länder. Im Norden vom Mittelmeer begrenzt liegt es zwischen Algerien und Lybien und hat sich in der Vergangenheit zu einem der wirtschaftsstärksten Staaten des afrikanischen Kontinents entwickelt.

Beinahe alle Tunesier sehen sich selbst kulturell und gesellschaftlich den Arabern am nächsten, obwohl ihre ethnischen Wurzeln zu den Berbern und Spaniern reichen und in der langen Geschichte des Landes auch andere Zivilisationen erheblichen Einfluss hatten. Auch in sprachlicher Sicht herrscht in Tunesien mehr Homogenität als in seinen Nachbarstaaten: das tunesische Arabisch ist Landessprache und wird auch im Alltag genutzt. Berbersprachen sind nur wenig verbreitet, Französisch spielt vor allem in bürgerlichen Kreisen noch eine Rolle. Die Staatsreligion Tunesiens ist der Islam, die weit überwiegende Zahl der Einwohner ist sunnitischen Glaubens, eine kleine Minderheit der Tunesier zählt sich zu den Christen. Die über 1.000 Jahre alte Al-Ghriba-Synagoge auf der Insel Djerba ist eines der ältesten jüdischen Gotteshäuser der Welt und erinnert daran, dass einst weit mehr als die heutigen 1.500 Juden in Tunesien lebten.

Die Gründung der Stadt Karthago durch die Phönizier gehört zu den frühesten Aufzeichnungen über die Geschichte Tunesiens. Um diese frühe Mittelmeermetropole entbrannte ein Streit mit dem römischen Reich, der in die drei Punischen Kriege, die Zerstörung Karthagos und das Gebiet des heutigen Tunesiens schließlich unter römische Herrschaft führte. Als Teil der römischen Provinz „Africa“ versorgte die Region Rom mit Getreide und Olivenöl und gelangte zu einigem Wohlstand. Nach und nach setzte sich, vor allem durch hinzuziehende Siedler, das Christentum in der Region durch, das auch unter der Herrschaft der Vandalen bis ins Jahr 647 vorherrschend blieb. Erst die Islamisierung durch die Araber setzte dem ab etwa 700 nach Christus ein Ende. Im 14. Jahrhundert geriet Tunesien unter die Herrschaft des Osmanischen Reiches, die bis in die Mitte des 19. Jahrhunderts andauerte. Im Jahr 1881 eroberte Frankreich zunächst Tunis und später ganz Tunesien, das erst 1956 wieder unabhängig werden sollte. Seither ist Tunesien eine Republik, die jedoch autoritär und wenig pluralistisch regiert wird.

Tunesien verfügt über Erdöl, Phosphat, Blei und Kupfererze, es ist einer der wichtigsten Phosphat-Dünger-Exporteure der Welt. Auch die Landwirtschaft ist ein wichtiger Wirtschaftsfaktor, Olivenöl aus Tunesien spielt auf dem Weltmarkt eine wichtige Rolle und auch Datteln, Wein, Obst und Zitrusfrüchte werden ausgeführt. Ein wichtiger landwirtschaftlicher Zweig ist zudem die Fischerei. Neben der Erdölindustrie und der Landwirtschaft, spielen auch die Textil- und Lederindustrie und natürlich der Tourismussektor eine entscheidende Rolle für die Wirtschaft des Landes. Neben Maschinen, Textilien und Kraftfahrzeugen gehören auch Getreide und Lebensmittel zu jenen Gütern, die das Land nach wie vor in großem Stil einführen muss.