Armut

Die gewalttätigen Proteste in Algerien, Tunesien und Marokko rückten im Dezember 2010 jäh die Armut und Perspektivlosigkeit der nordafrikanischen Bevölkerung ins Licht der Öffentlichkeit. Vor allem junge Menschen begehrten dort gegen ihre Regierungen auf, weil ihnen die innenpolitische und wirtschaftliche Situation in den wenig demokratischen Staaten schlicht die Möglichkeit auf ein selbstbestimmtes Leben in Wohlstand verwehrt. Korruption und Armut sind an der Tagesordnung, Wohlstand, Arbeit und Bildung sind sehr ungleich verteilt. Marokko steht in Sachen menschlicher Entwicklung (HDI) auf Platz 114 und ist damit unter den nordafrikanischen Staaten das Schlusslicht in Sachen menschlicher Entwicklung, über 40 % der Marokkaner können nicht lesen und schreiben, nach wie vor sind besonders Mädchen und Frauen und die Bewohner der ländlichen Gebiete benachteiligt. Wer heute in Marokko erwachsen (über 25 Jahre) ist, blickt auf durchschnittlich 4,5 Jahre Bildungserfahrung zurück, und auch die Kinder von heute können im Durchschnitt auf nicht mehr als 10,5 Jahre hoffen. Auch in Algerien, in der zum Zeitpunkt seiner Unabhängigkeit neun von zehn Einwohnern weder lesen noch schreiben konnten und wo die wirtschaftlichen Grundlagen buchstäblich zerstört waren, sind Bildungsmangel, Arbeitslosigkeit und soziale Ungleichheit drängende Probleme. Wie in Lybien, das von der UN als das am höchsten entwickelte Land Nordafrikas eingeschätzt wird (HDI-Rang 53), kommen auch in Algerien die Einnahmen aus dem Handel mit den reichlich vorhandenen Rohstoffen nicht in der breiten Bevölkerung an.