Ägypten: Früchte und Kräuter

Dank seiner geografischen Lage gehört Ägypten zu den fruchtbaren Ländern Nordafrikas. Zwar ist nur ein Teil der Fläche für Landwirtschaft nutzbar, die Böden dort sind jedoch sehr fruchtbar. So liefern die ägyptischen Bauern im Fairen Handel unter anderem Sesam, Fruchtsäfte sowie Kräuter und Gewürze in die ganze Welt. Mit ägyptischer Baumwolle, Kartoffeln und Weintrauben kommen auch deutsche Verbraucher immer wieder in Berührung – auch dabei haben sie die Möglichkeit, zu Produkten mit Fairtrade-Siegel zu greifen.

Zwischen Kairo und Alexandria liegt auf einem Gebiet, das der Wüste abgetrotzt wurde, die Kleinbauern-Kooperative Magrabi. Auf beinahe 4.000 ha bauen hier 4.000 fest angestellte Bauern und 3.000 Saisonarbeitskräfte Orangen, Limetten, Zitronen, Mandarinen und Weintrauben unter fairen Bedingungen an. In Deutschland sind sie vor allem in Form von Säften oder Trockenfrüchten im Handel. Für den konventionellen Handel werden darüber hinaus Erdbeeren, Paprika, Pfirsiche, Grapefruit, Paprika, Salate und Blumen auf den Magrabifarmen in Noubaria produziert. Die Kooperative verfügt über eigene Packhäuser, in denen die frischen Leckereien nach europäischen Normen sorgfältig verpackt und verschickt werden. In eigenen Labors arbeiten hochqualifizierte Spezialisten an der Diagnose und Bekämpfung von Pflanzenkrankheiten, Schadstoffanalysen im Rahmen des Qualitätsmanagements und Rückstandskontrollen. Mit Hilfe der Fairtradeprämien konnte die Kooperative seinen Mitarbeitern ein Krankenhaus, einen Kindergarten und einen Sportverein einrichten. Fest angestellte Krankenschwestern und Krankenwagen verbessern die medizinische Versorgung für die Angestellten der Kooperative ebenso wie für die anderen Menschen aus der näheren Umgebung. Auch die Aus- und Weiterbildungsmaßnahmen, die Magrabi anbietet, stehen nicht nur den Mitarbeitern, sondern allen Menschen der Region offen. Hunderte von Erwachsenen konnten so bereits Lesen und Schreiben lernen. Der Faire Handel hilft, die gesamte Region zu stärken.

Wer nach ökologischen Gewürzen und Gewürzmischungen sucht, wird schnell zu Produkten aus Ägypten kommen. Die Firmengruppe SEKEM arbeitet dort schon seit vielen Jahren nach den Richtlinien des Fairen Handels. Die in dieser kleinen Aktiengesellschaft zusammengeschlossenen Firmen stellen neben Lebensmitteln auch Textilien und pflanzliche Arzneimittel her, die überwiegend für den ägyptischen Markt selbst bestimmt sind. 45 Mitarbeiter sind für Verarbeitung, Lagerung, Export, Verwaltung und Management zuständig, die vertriebenen Waren stammen von Zulieferern aus dem ganzen Land, die sich ebenfalls zur Einhaltung der Fairtrade- und besonderer Produkt-Richtlinien verpflichtet haben. So sind etwa die Kräuter und Gewürze, die Kleinbauern aus ganz Ägypten an SEKEM liefern, sämtlich in Bio-Qualität, viele von ihnen arbeiten sogar nach den besonders strengen Regeln des ökologischen Anbauverbandes Demeter. Pur, in Mischungen oder als Rohstoffe für die ökologische Lebensmittelindustrie kommen sie unter anderem auf den deutschen Markt. Auch getrocknete Datteln, Honig, Fruchtaufstriche und Kräutertees sind hierzulande zu finden. Der Firmenname bedeutet „Lebenskraft“ und genau diese bemüht sich das Unternehmen schon seit Ende der 1970er Jahre zu geben. Alle Mitarbeiter sind fest angestellt, verdienen überdurchschnittlich, haben im Arbeiterkomitee unternehmerisches Mitspracherecht und Zugang zu medizinischer Versorgung. Besonderen Wert legt man bei SEKEM auf die Aus- und Weiterbildungsprogramme, die nicht nur ins Unternehmen hinein, sondern vor allem in der Region wirken sollen. So gründete SEKEM im Jahr 2009 sogar eine Hochschule: Die Heliopolis University for Sustainable Development (Hochschule für nachhaltige Entwicklung).