Algerien: Wein

Was auf den ersten Blick seltsam anmuten mag, hat eine lange Tradition: Wein aus dem überwiegend muslimischen Algerien. Mit den Griechen und Römern begann die algerische Weinbautradition, die mit der Ausbreitung des Islam im 8. Jahrhundert wieder verschwand – bis die Franzosen kamen. Sie nutzten ihre nordafrikanische Kolonie, um neben anderen Lebensmitteln auch Wein anzubauen, der überwiegend zum Mischen nach Frankreich exportiert wurde. Seit der hart erkämpften Unabhängigkeit des Landes sind Anbau und Vermarktung des nach wie vor angebauten Weins halbstaatlich organisiert: Die Weinbauern bzw. Weinkooperativen erhalten das Land nur unter der Bedingung, dort auch wirklich Wein anzubauen, können aber selbst über die Art und Weise ihrer Arbeit entscheiden, die Vermarktung der Produkte liegt in den Händen des staatlichen „Office National de Commercialisation des Produits Viti-Vinivoles“ (ONCV).

Eine dieser Kooperativen, die Union des Cooperatives des Viticulteures (COOPEVIT), ist seit vielen Jahren Partner des Fairen Handels. Auf den Parzellen der Hang- und Berglagen im Nordwesten Algeriens arbeiten etwa 10.000 Menschen. Für viele Bauern dieser Region ist der Weinbau die einzige Arbeitsmöglichkeit. Alle Mitarbeiter, egal ob fest angestellt oder als Aushilfskraft beschäftigt, erhalten eine Kranken- und eine Rentenversicherung. Auch ökologisch hat der Weinbau Vorteile: Die stark von Erosion bedrohten Böden profitieren vom Wurzelgeflecht der langlebigen Reben. Wegen der hohen Sonneneinstrahlung und der kargen Bergböden reifen hier Trauben mit hohem Zuckergehalt, die Weine sind entsprechend alkoholreich. Die Organisationen des Fairen Handels setzen sich hier nicht nur für soziale und ökologische Verbesserungen ein, sondern unterstützen die Bauern auch in ihrem Bestreben nach Unabhängigkeit von staatlichen Stellen, damit sie ihren Export selbst organisieren können – wegen der schwierigen politischen und wirtschaftlichen Lage ist dieses Ziel noch immer nicht erreicht, auch die sehr lohnende aber beratungsintensive Umstellung auf ökologischen Weinbau scheiterte in den letzten Jahren an der innenpolitischen Situation. Umso wichtiger ist es, die demokratisch arbeitenden Kooperative zu unterstützen. Das Fairhandelshaus El Puente bietet daher drei Weine aus Algerien an: Die Rotweine Cuvee du president und Mascara sind sicher ebenso ein Kosten wert wie der Roséwein Medea.