Tunesien: Datteln

Tunesiens geografische Lage ermöglicht eine vergleichsweise intensive Landwirtschaft. Mit Hilfe von Oasenwirtschaft und Bewässerungssystemen werden neben Zitrusfrüchten auch Oliven und Datteln angebaut. Anders als in anderen Staaten, die zum Teil auch fair gehandelte Baumwolle und getrocknete Zitrusfrüchte aus Fairem Handel importieren, spielen in Deutschlands Fairhandels-Segment nur die getrockneten Datteln aus Tunesien eine Rolle. Fairhandelspartner ist Beni Ghreb, eine Verarbeitungs- und Exportfirma, die die Datteln von einem Kleinbauernzusammenschluss im südwestlich gelegenen Hazoua bezieht. Die Bauern dieses nahe der algerischen Grenze gelegenen Dorfes waren einst Beduinen vom Stamm der Beni Ghreb. Als die Viehwirtschaft die Mitglieder des nomadischen Stammes nicht mehr ernähren konnte, ordnete die Regierung ihre Ansiedlung am Ufer des Salzsees „Schott el Djerid“ an. Neben Datteln bauen die Bauern dort Getreide, Obst und Gemüse für den Eigenbedarf an. Infolge des Preisverfalls für Datteln müssen die Bauern mit sehr kleinen Einnahmen zurechtkommen – eine Alternative gibt es in der Region ohne Industrie und Tourismus nicht. Da die Bauern weder über Lagerhaltungs- noch Transportmöglichkeiten verfügten, hatten sie lange Zeit keine eigenen Vermarktungswege und blieben auf Zwischenhändler und ihr Preisdiktat angewiesen.

Die Zusammenarbeit mit Beni Ghreb verbessert ihre Situation gleich mehrfach: Dank fairer Einkaufspreise hat sich ihre Einkommenssituation verbessert, da die Exportfirma stets die gesamte Ernte abnimmt (und nicht nur die besonders großen Früchte), haben sie zudem Planungssicherheit. Die Bauern von Hazoua arbeiten konsequent ökologisch, ihre Zusammenarbeit mit dem Fairen Handel erlaubt es, dass die traditionelle Oasenwirtschaft als Grundlage für das Leben und die Kultur des Landstrichs erhalten bleiben und die Menschen – insbesondere Frauen – Arbeit in ihrer Heimat finden. Wo die Oasenwirtschaft funktioniert, bleiben auch die fruchtbaren Böden erhalten, Erosion und Verwüstung können nicht weiter voranschreiten. Auch das ist ein wichtiger Beitrag zum Erhalt der wirtschaftlichen und sozialen Lebensgrundlagen.

Beni Ghreb berät die zuliefernden Bauern in Fragen des Anbaus und der Qualitätssicherung und übernimmt Ankauf, Reinigung, Sortierung und Export ihrer Erzeugnisse. Während die besten Früchte getrocknet und für den Direktverzehr verpackt werden, finden die kleineren Früchte als Zutat in Fruchtschnitten und ähnlichen Produkten ebenfalls ihren Weg zu den Kunden in aller Welt. Die Dattelbauern von Hazoua arbeiten nach den Regeln des biologisch-dynamischen Landbaus und kombinieren traditionelle Anbauweisen mit modernen Methoden, ohne chemisch-synthetische Dünge- und Pflanzenschutzmittel beste Ergebnisse zu erzielen. Im Schatten der langlebigen Dattelpalmen gedeihen in Drei-Etagen-Wirtschaft auch Obstbäume und Gemüse – auf diese Weise wird das kostbare Wasser besser genutzt und der Boden bleibt erhalten. Schulungen helfen ihnen dabei, die Fruchtqualität durch Pflege- und Schnitttechniken zu verbessern. Auch die übrigen Betriebsprozesse sind oder werden ökologisch optimiert: So fängt beispielsweise eine Anlage zur Wärmerückgewinnung das beim Trocknen der Datteln anfallende Wasser auf und macht es nutzbar Die Angestellten von Beni Ghreb erhalten angemessene Löhne und sind verlässlich sozialversichert.