Pflanzen und lebendige Böden kommunizieren

Pflanzen und fruchtbare Böden sind miteinander weit stärker verflochten als gemeinhin bekannt. Ihre vielseitigen und komplexen Beziehungen beruhen auf einer gegenseitigen Abhängigkeit voneinander: Pflanzen benötigen ihren Bedürfnissen entsprechende Böden und Böden sind auf pflanzlichen Bewuchs angewiesen, etwa, weil sie ihnen das für Bodenorganismen lebensnotwendige organische Material liefern. Nebenbei schützen Pflanzen einen Boden vor der Erosion durch Wind oder Niederschläge. Wie komplex die Beziehungen zwischen Pflanzen und Bodenorganismen darüber hinaus sind, beginnt die Wissenschaft erst allmählich zu verstehen. Fest steht, dass diese Gemeinschaften oft uralt sind und sich die Beteiligten im Laufe von Millionen Jahren aufeinander eingestellt haben. Bekannt ist auch, dass sie sehr weit verbreitet sind, beispielsweise leben rund 90 Prozent aller Landpflanzen mit einem Pilz als Partner.

Zu einer funktionierenden Partnerschaft gehört, dass man miteinander „spricht“. Damit sich Pflanzen mit einem Boden austauschen können, muss es dort jemanden geben, der ihre Signale „hört“, ein Boden muss also lebendig sein. Auch wenn sich die Partner schon seit Jahrtausenden finden, sind die einzelnen Beziehungen nicht festgefahren, sondern variieren individuell: Boden und Pflanze spielen sich im Laufe der Jahre immer besser aufeinander ein.

Pflanzen kommunizieren mit Bodenorganismen chemisch, indem sie über ihre Wurzeln bestimmte Stoffe ausscheiden. So locken manche Pflanzen Fressfeinde von Schädlingen an, sobald sie einen Befall „bemerken“. Man könnte also sagen, dass sie Hilfe herbeirufen. Daneben gibt es feste Partnerschaften, zu denen ein stetiges Geben und Nehmen gehört. Viele Pflanzen unterhalten Bodenlebewesen, die ihnen bestimmte Nährstoffe überhaupt erst zugänglich machen indem sie sie aufschließen. Oder die in Wurzelnähe dauerhaft Nährstoffe vorhalten. Teilweise handelt es sich um Dreiecksbeziehungen. Manche Nützlinge enthalten einen für die Pflanze wichtigen Stoff, behalten ihn aber für sich. In solchen Fällen sind oft andere Lebewesen an der Partnerschaft beteiligt. Sie fressen die nützlichen Bakterien oder Pilze und geben dann mit ihrem Kot einen Teil der von der Pflanze begehrten Substanz wieder ab. Die Pflanzen revanchieren sich bei Nützlingen beispielsweise, indem sie ihre Helfer mit Zucker verwöhnen, den sie im Sonnenlicht bei der Photosynthese erzeugt haben.

In toten oder schwer geschädigten Böden bilden sich solche hilfreichen Partnerschaften nicht. Die Mitteilungsfähigkeit der Pflanzen kann sogar verkümmern. Für Hochleistungssorten von Kulturpflanzen wurde schon nachgewiesen, dass sie nicht mehr „um Hilfe rufen“ können, wenn sie von Schädlingen befallen werden.