Unmittelbare Ursachen

Entwaldung ist eine Hauptursache für Bodenverlust, Foto: iStock

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Es gibt viele unmittelbare Gründe dafür, dass sich Böden verschlechtern und Wüsten ausbreiten. Gewaltige Schäden richten Viehherden an, die die Wüste regelrecht aus dem Boden stampfen. Die Tiere lockern den Boden mit ihren Hufen so auf, dass Erde samt darin steckender Samenkörnchen vom Wind weggeweht werden kann. Es wachsen immer weniger Pflanzen nach, was der Witterung mehr und mehr Angriffsfläche bietet. Werden die überbeanspruchten Futter-Gräser zu sehr geschwächt, können sie sich nicht mehr behaupten. Sie werden nach und nach von robusten Dornenbüschen verdrängt. Durch diese Verwandlung wird das einstige Weideland aber auch für die Hirten nutzlos. Eine andere besonders häufige Ursache für Bodenverlust, bei der der schützende Bewuchs entfernt wird, ist die Entwaldung.

Landwirtschaftliche Übernutzung trägt ebenfalls erheblich dazu bei, dass sich kaputte Böden ausbreiten. Das scheint besonders kurzsichtig, weil sich die Landwirtschaft damit selbst ihrer natürlichen Grundlage beraubt. Böden, die falsch oder übermäßig landwirtschaftlich genutzt werden, geraten unter enormen Stress. Sie laufen Gefahr, auszulaugen und damit einen Großteil ihrer natürlichen Bodenfruchtbarkeit zu verlieren. In der konventionellen Landwirtschaft stand lange vor allem eines im Vordergrund: auf welche Art und mit welchen Mitteln einem Acker möglichst hohe Erträge abgerungen werden können. Mineraldünger und Pestizide ermöglichen zwar größere Erntemengen, setzen aber einem gesunden Bodenleben ein Ende. Sobald ein so malträtierter Boden aus eigener Kraft nicht mehr für Pflanzen sorgen kann, sind die chemischen Mittel keine Ergänzung mehr, sondern Voraussetzung dafür, dass etwas wachsen kann.

Auch die fortschreitende Automatisierung der Landwirtschaft macht Böden zu schaffen. Schwere Landmaschinen können bestimmte Böden so zusammendrücken, dass sie sich stark verdichten. Dann versickert das Wasser nicht mehr wie gewohnt, sondern fließt ab, wobei es Bodenteilchen wegschwemmt. Aber Bodenverdichtung richtet noch mehr Schäden an: Ein gesunder Boden ist gut durchlüftet, weil es in ihm viele sogenannte Bodenporen gibt. Das sind kleine Hohlräume, die Wasser und Luft speichern oder durchleiten und kleinen, tatkräftigen Organismen Lebensraum bieten. Ist es gut um einen Boden bestellt, besteht er ungefähr zur Hälfte aus solche Poren. Wird die Erde stark zusammengepresst, gehen aber viele dieser lebenspendenden Mini-Refugien kaputt. Gibt es zu wenige Bodenporen ist das auch für Pflanzen fatal, die in verdichteter Erde nur schlecht Wurzeln schlagen und Nährstoffe aufnehmen können. Bestimmte Sorten von Kulturpflanzen beschleunigen den Bodenverlust durch Wind und Wetter. Sie bilden wie Mais oder Zuckerrüben erst recht spät in ihrem Lebenszyklus ein das Erdreich schützendes Blätterdach.

Ebenfalls bodenschädigend ist die künstliche Bewässerung. Doch mittlerweile werden rund 40 Prozent aller Nahrungs- und Futterpflanzen auf Äckern angebaut, denen künstlich Wasser zugeführt wird. Dabei stehen sparsame und noch selten eingesetzte Methoden wie die Tröpfchenbewässerung den weit verbreiteten, verschwenderischen Techniken gegenüber. So werden fast alle Baumwollfelder mit der primitiven Oberflächenbewässerung urbar gemacht, bei der die Äcker geschwemmt und Nässe auf ihnen angestaut wird. Solche Methoden gehen nicht nur kostbaren Süßwasserreserven an die Substanz sondern auch der Ackerkrume.

Unmittelbar mit der künstlichen Bewässerung verbunden ist die Problematik der Versalzung. Im Wasser ist Salz gelöst – mal weniger, mal mehr. In sehr trockenen Regionen wird das leicht zu einem Problem, wenn Wasser auf Felder, Plantagen oder in Haine geleitet wird: Ein großer Teil der Feuchtigkeit versickert nicht, sondern verdunstet und hinterlässt auf der Bodenoberfläche einen Salzfilm. Manchmal kommen die Kristalle auch von unten wenn Grundwasser durch die Bodenporen aufsteigt und an der Oberfläche verdunstet. Dringt es dabei durch salzreiche Gesteinsschichten oder liegt das Grundwasser in Meeresnähe, ist das aufsteigende Wasser besonders salzhaltig. Durch verdunstendes Wasser kann ein Boden immer salziger werden bis zu einem Punkt, an dem die meisten Kulturpflanzen auf ihm nicht mehr gedeihen. Versalzung ist ein Problem von enormen Ausmaß. Fast die Hälfte aller Flächen, die in trockenen Gebieten bewässert werden, sind davon betroffen. Besonders verheerend sind die Schäden beispielsweise in Indien, Pakistan, Ägypten und den USA.

Andere menschliche, Böden verschlechternde Eingriffe sind Trockenlegungen, Oberflächenversiegelungen wie im Siedlungs- und Straßenbau sowie Flussregulierungen. Ein Beispiel für tiefgreifende Auswirkungen eines solchen Eingriffs ist die jüngere Geschichte des Niltals in Ägypten. Zwar ist das nordafrikanische Land fast komplett von Wüste bedeckt und kämpft mit einer schnellen Versalzung der Böden. Lange Zeit war es aber dennoch eine der fruchtbarsten Gegenden der Region, was am natürlichen Verhalten des Nils lag. Der längste Fluss Afrikas trat bei Hochwasser regelmäßig über seine Ufer. Umliegende Felder, auf denen sich durch Verdunstung in der Zeit davor eine Salzschicht abgelagert hatte, wurden dabei immer wieder mit fruchtbarem Schlamm überschwemmt. Als aber 1971 am Oberlauf des Nils der gigantische Assuan-Staudamm fertig wurde, änderte sich das schlagartig. Das Bauwerk hält den wertvollen Nilschlamm zurück und seitdem gibt es deutlich weniger urbaren Boden in Ägypten.