Mittelbare Ursachen

Neben den direkten gibt auch indirekte Ursachen dafür, dass die Ressource Boden immer weiter unter Druck gerät. So muss er eine weltweit wachsende Bevölkerung ernähren, weshalb sich mit der Menschheit überlastete Böden ausdehnen: Sollen die Erträge aus der Landwirtschaft mit der Bevölkerungsentwicklung Schritt halten, müssten jährlich entweder Äcker und Weiden um 1,5 Prozent ausgeweitet oder es müssten auf den schon vorhandenen Flächen entsprechend höhere Erträge erwirtschaftet werden. In der Praxis hat allerdings das Flächenausweiten in den vergangenen Jahrzehnten nicht mehr funktioniert. Zwar wurden viel Wald und Grasland zugunsten von Landwirtschaft vernichtet. Im selben Umfang gingen landwirtschaftliche Flächen jedoch durch Wüstenbildung verloren.

Die möglicherweise bedeutendste mittelbare Ursache für das Wachstum der Wüsten ist jedoch die globale Erwärmung im Zuge des Klimawandels. Denn sie sorgt dafür, dass sich das Süßwasser auf der Erde anders als bisher verteilt. Wann es wo wie viel Süßwasser gibt, hängt allein von Niederschlägen ab. Sie füllen Grundwasserspeicher und Oberflächengewässer und lassen Gletscher anschwellen. Der Klimawandel lässt extreme Wetterlagen wie Dürren und starke Niederschläge häufiger und anhaltender werden. Sensible Trockenregionen verkraften solche Kapriolen nicht. Schon heute regnet es etwa in der Sahelzone sehr unregelmäßig und wenn, dann meist nicht viel. Ansässige Bauern merken schon seit den 90er Jahren, dass sie sich auf die seit ehedem vertrauten Anzeichen für den Beginn der Regenzeit nicht mehr verlassen können. Die von Dürren betroffenen Flächen haben sich seit den 70er Jahren mehr als verdoppelt. Das verstärkte Abschmelzen von Gebirgsgletschern bedroht in vielen Regionen die sommerliche Wasserversorgung. So verschwand auf dem Kilimandscharo zwischen 1962 und 2000 mehr als die Hälfte des Eises.

Die globalen Folgen von Hitze und Trockenheit sind vielfältig: Ernten gehen verloren, Trinkwasser wird knapper, Krankheiten breiten sich schneller aus, Hungersnöte entstehen, in Flüssen, die weniger Wasser führen, konzentrieren sich Schadstoffe. Auch in Europa mehren sich die Schäden durch Trockenheit. Im Sommer 2010 überrollte eine Feuersbrunst russische Wälder, die Region ächzte unter einer zweimonatigen Hitzewelle. Neben etlichen Hektaren Wald verbrannten Millionen Tonnen Getreide. Auch andere Teile Europas wurden in den letzten Jahren von immer länger andauernden Hitzewellen erfasst. Allein im Sommer 2003 starben infolge dessen vor allem in Südeuropa etwa 30.000 Menschen.