Wüstenstrom?

Bei Ideen zur Nutzung von Wüsten darf eine Vision nicht unerwähnt bleiben: Desertec. Wenn etwas in der Sahara im Übermaß vorhanden ist, dann energiereiche Sonnenstrahlen. Mit der Energie, die hier in nur sechs Stunden „aufprallt“, könnte die gesamte Menschheit ein ganzes Jahr lang auskommen. Der Gedanke, genau hier Sonnenenergie ernten zu wollen, ist also durchaus einleuchtend.

Genau das haben zwölf deutsche Unternehmen mit Desertec vor, unter ihnen zwei Energieriesen und ein Versicherungskonzern. Nach ihrer Vorstellung soll die Sonnenkraft aus der Wüste einmal 15 Prozent des europäischen Energiebedarfs decken. Ein verlockender Ausblick, der aber zunächst von einem gigantischen Kostenberg von hunderten Milliarden Euro überschattet wird. Für Desertec würden in Nordafrika dutzende solarthermische Kraftwerke in die Wüste gebaut und viele tausend Kilometer spezielle Stromleitungen verlegt werden müssen.

Solarthermische Kraftwerke gibt es schon auf der Welt, zum Beispiel in Spanien. Die Erfahrungen mit solchen Anlagen sind gut, weil sie zuverlässig laufen. Solarthermische Kraftwerke stellen Strom anders her als Solarzellen. Sie bündeln Sonnenenergie mit Spiegeln in einem bestimmten Bereich, wo sich entweder Thermoöl oder Luft erhitzt. Damit wird wiederum Wasserdampf erzeugt, der Turbinen antreibt, die Strom herstellen.

Den hohen Kosten stehen Vorteile gegenüber, die ebenfalls schwer wiegen: Für Kraftwerke in der Wüste müssten weder Flüsse gestaut noch Landschaften geflutet oder Dörfer umgesiedelt werden. Für Wüstenstrom müssten keine fossilen Brennstoffe gefördert werden, zumal diese ohnehin immer knapper und teurer werden. Und man müsste nicht die Risiken und Nebenwirkungen der Atomkraft in Kauf nehmen. Zugleich wächst der Energiebedarf der Weltbevölkerung. Unterm Strich könnte sich Desertec – sollte es überhaupt technisch machbar sein – künftig auch wirtschaftlich lohnen.

Ungeklärt ist aber noch eine weitere entscheidende Frage: Was haben die Nordafrikaner davon, dass die Europäer in ihrer Wüste Strom machen wollen? Außerdem ist die langfristige politische Stabilität der Region nur bedingt vorhersehbar, die aber für die Verlässlichkeit von Bündnissen unabkömmlich ist.