Wiege der Menschheit?

„Out of Africa“ ist nicht nur der Titel des bei uns als „Jenseits von Afrika“ bekannten Hollywood-Klassikers. Es ist auch der Name einer Hypothese, die einmal für viel Wirbel sorgte, mittlerweile aber von etlichen Forschern anerkannt wird. Sie behauptet, dass der Homo sapiens aus Afrika südlich der Sahara stammt, von wo aus er sich in der Welt ausbreitete und dabei möglicherweise Menschenartige wie die Neandertaler verdrängte. Demnach wären alle Menschen letztendlich Spielarten desselben „ersten“ Erbgutes.

Sollte sich die Hypothese als zutreffend erweisen, hatte schon Charles Darwin den richtigen Riecher: Er glaubte, dass sich der Mensch dort entwickelt haben muss, wo man seine nächsten Verwandten, die Schimpansen, noch heute findet. Seit Darwin wurde der Nebel über vergangene Zeitalter soweit gelichtet, dass man sagen kann, dass sich die Entwicklungslinie des Homo sapiens von fünf bis sieben Millionen Jahren von der des Schimpansen trennte. Aber warum? Im Lebensraum der Schimpansen – dem östlichen Afrika – war ein Gebirge „gewachsen“, das weitläufige Gebiete der Region von Niederschlägen abschirmte. Dadurch wandelten sich Wälder in Savannen und mit ihnen einer weiteren Hypothese zufolge der Vormensch: Der aufrechte Gang könnte Ergebnis eines klaren evolutionären Vorteils im Grasland gewesen sein.

Bevor die „Out of Africa“-Hypothese in der Wissenschaft populär wurde, gingen viele Anthropologen davon aus, dass sich moderne Menschen unabhängig voneinander sowohl in Afrika, Europa und Asien entwickelt haben. Dass das heute kaum ein Forscher glaubt, liegt vor allem an spektakulären Entdeckung im östlichen Teil des Großen Afrikanischen Grabens.

Sensationsfunde waren zum Beispiel die zwei Millionen Jahre alten Knochen des „Nussknackermenschen“ in Tansania oder die seit mehr als drei Millionen Jahren währenden Gebeine von „Lucy“, die in Äthiopien ans Licht gebracht wurden. Diese Wesen waren noch keine Homo sapiens, sondern lediglich Menschenähnliche. Knochen von Ur- und Frühmenschen hat man aber auch auf anderen Kontinenten und in anderen Teilen Afrikas geborgen. „Wiege der Menschheit“ ist deshalb eine Wendung, die oft für die südafrikanischen Fundstätten hominider Fossilien benutzt wird. Obwohl der heutige Mensch wohl eher aus Ostafrika stammt. Für die „Out of Africa“-Hypothese spricht beispielsweise, dass man in Äthiopien auf die mit einem geschätzten Alter von bis zu 160.000 Jahren bislang ältesten Knochen eines modernen Menschen stieß. Der endgültige Beleg für die Richtigkeit der Hypothese steht aber noch aus.