Der Ostafrikanische Graben

Mit dem östlichen Teil Afrikas geht etwas Erstaunliches vor sich: Ganz langsam nabelt er sich vom übrigen Kontinent ab. Eines Tages wird sich die dabei entstehende Senke mit Meereswasser füllen. Ostafrika wird immer weiter vom Festland abdriften während sich zwischen den einst verbundenen Landmassen neuer Ozeanboden bilden wird. Zeit, Abschied zu nehmen ist allerdings noch lange nicht: Dem Szenario zufolge wird sich Ostafrika erst in einigen Millionen Jahren trennen. Doch schon heute ist spürbar, dass sich die Region gemächlich davon macht, denn dafür sind gewaltige Kräfte nötig, die wiederum selbst schon seit Millionen Jahren an der Ablösung Ostafrikas „arbeiten“. Die heftigen Plattenbewegungen rüttelten den 6.000 Kilometer langen, von Syrien bis Mosambik reichenden Ostafrikanischen Graben herbei und ziehen ihn jährlich um immerhin einen Zentimeter weiter in die Breite.

Kontinente zu zerteilen ist nicht damit vergleichbar, einen Kuchen zu zerschneiden. Und so gabelt sich die Bruchstelle des Ostafrikanischen Grabens auf in einen westlichen und einen östlichen Zweig. In Letzterem entladen sich die Spannungen in der Erdkruste besonders heftig, was auch seine Bewohner spüren: Mehrere hundert Male im Monat zittert dort der Boden und es gibt zahlreiche aktive Vulkane. Doch die Plattentektonik gibt der Region nicht nur Gefahren, sondern schenkte ihr einige Landschaften der Superlative: beispielsweise gehört sowohl der Kilimandscharo als mit 5.895 Metern höchster Gipfel Afrikas zum Rift als auch der Tanganjika-See als das mit 1.470 Metern tiefste Süßgewässer des Kontinents.

Möglicherweise waren die allmählich empor geschobenen Höhenzüge der Grund, weshalb unsere Urahnen den aufrechten Gang „lernten“. Forscher gehen davon aus, dass die Gipfelketten das Klima und damit die Vegetation im Osten Afrikas dramatisch veränderten. Niederschläge aus dem Innern des Kontinents wurden von den Gebirgen abgefangen und erreichten den Osten nicht mehr. Der vormals üppige Regenwald wich einer Savannenlandschaft. Dort dürfte es ein evolutionärer Vorteil gewesen sein, auf zwei Beinen zu gehen. Was diesen Vorteil genau ausgemacht hat ist noch strittig – ob etwa ein weiter schweifender Blick Fressfeinde früher entdeckte oder eine gestreckte Statur hoch wachsende Strauchbeeren besser erreichbar machte oder ein anderer Grund.