Kenia: Hoffen auf friedliche Wahlen

Kenia wird von uns vor allem mit Dokumentarfilmen über seine Tierwelt oder mit Fotosafaris in Verbindung gebracht. Das heile Bild des beliebten Reiselandes wurde angekratzt als Ende 2007 rohe Gewalt ausbrach, die mehr als 1.300 Menschen das Leben kostete und 600.000 in die Flucht schlug. Verwundert rieb man sich angesichts der Tragödie in aller Welt die Augen: Was war in Kenia geschehen?

Tatsächlich kam der Ausbruch weniger überraschend, weil sich darin eigentlich über viele Jahre aufgebaute gesellschaftliche Spannungen entluden. Wie viele andere afrikanische Staaten leidet auch Kenia unter seinen durch koloniale Grenzziehung einst willkürlich zusammengebrachten Völkern. Die erst politisch motivierten Zusammenstöße entpuppten sich schnell als Zeichen tief sitzender Missgunst zwischen unterschiedlichen Ethnien. Und die kenianische Politik hatte die lange bestehenden Differenzen noch hervorgehoben und gestärkt. Auslöser der rasch eskalierenden Auseinandersetzungen war somit auch das Ergebnis der Präsidentschaftswahl, das wegen Verdachts auf Manipulation angezweifelt wurde. Kenias Probleme ausschließlich auf zwischenethnischen Zwist zu schieben wäre aber zu kurz gegriffen. In den Unruhen entlud sich auch Wut über die Korruptheit der Regierung.

Aber die Ausschreitungen brachten auch den Silberstreif eines wachsenden bürgerlichen Selbstbewusstseins zum Vorschein: Dass das Pulverfass zwar in die Luft ging, sich aber kein Flächenbrand eines Bürgerkrieges ausbreitete, wird zum großen Anteil dem mäßigenden Einwirken der noch jungen kenianischen Mittelschicht zugeschrieben. Trotz der aufrüttelnden Ereignisse gilt Kenia auch deswegen noch immer als eines der afrikanischen Länder, die in der Lage sind, gesellschaftliche Konflikte aus eigener Kraft zu bewältigen.

Schon Ende 2012 könnte das Land eine weitere Gelegenheit bekommen zu beweisen, dass es sich in keinen Strudel der Gewalt ziehen lässt: Dann stehen die nächsten Wahlen an und die Vorzeichen sind bedenklich. Zur Empörung vieler Kenianer wurden die Verbrechen während der Unruhen 2007/2008 juristisch bisher nicht aufgearbeitet. Vor dem Internationalen Strafgerichtshof in Den Haag sollen sich sechs ihrer Landsleute für Verbrechen gegen die Menschlichkeit verantworten. Unter den Angeklagten sind Kenias Vizepremierminister Uhuru Kenyatta und weitere amtierende Politiker, von denen einige Ende 2012 wieder gewählt werden wollen. Der kenianische Staat behindert bislang die internationalen Ermittlungen. Sollten die mutmaßlichen Verantwortlichen ungestraft davonkommen, erwarten Experten bei den nächsten Wahlen erneut Gewalt.