Athiopien: Kaffee, das schwarze Gold Ostafrikas

Kaffee ist ein bedeutendes ostafrikanisches Exportgut: Unter den weltweit 20 größten Ausfuhrländern von Kaffeebohnen sind Uganda, Kenia und Tansania. Den meisten Kaffee aber unter den Ländern Ostafrikas verkauft Äthiopien mit laut Landwirtschaftsorganisation der Vereinten Nationen (FAO) fast 180.000 Tonnen in 2008.

In Äthiopien gehört die aromatische Bohne schon lange zur Kultur. Man könnte deshalb meinen, dass es kein Zufall sein kann, dass sich das Wort Kaffee und der Name des einstigen äthiopischen Königreiches Kaffa ähneln. Tatsächlich aber hat die Bezeichnung Kaffee ihren Ursprung im arabischen Wort „qahwah“. Immerhin aber sind die bewaldeten Hochländer im Südwesten Äthiopiens wohl die ursprüngliche Heimat des Kaffeebaumes. Das lässt sich aus der weltweit einzigartigen genetischen Vielfalt schließen, in der die Pflanze dort vorkommt. Die würzige Sorte Arabica ist heute besonders weit verbreitet.

Auf den Geschmack die Kaffeefrucht kam man vermutlich schon im antiken Äthiopien. Allerdings wurden sie lange bloß gekaut und vielleicht erst ab dem 9. Jahrhundert zu einem Getränk bereitet. Anfangs wurde der Saft der Kaffeekirschen jedoch vergoren und mit Wasser verdünnt. Dass es besser schmeckt, wenn die geschälten Früchte vor dem Zerstoßen geröstet werden, ist eine Entdeckung, die im 11. Jahrhundert im Jemen gemacht wurde. Wegen seiner anregenden Wirkung wurde der Kaffee teilweise als Heilmittel eingesetzt. Im Mittelalter entwickelte sich äthiopischer Kaffee zur Handelsware und von arabischen Kaufleuten mit Lasttieren aus dem Landesinneren geholt. Auch in den folgenden Jahrhunderten blieb der Export der Bohne weitgehend in den Händen von Ausländern, während sich die Kultivierung der Kaffeepflanze immer weiter in Äthiopien ausbreitete.

Eine Besonderheit dieser Kaffeeregion aber ist, dass ein Teil der Ernte nach wie vor an wilden, bis zu zwölf Meter hohen Bäumen heranreift. Sie mögen das Klima der Bergwälder und stehen oft in mehr als 1.200 Metern Höhe. Vor allem Kleinbauern pflücken die Wildkaffeekirschen, für die es lange keinen eigenen Spezialitätenmarkt gab. Stattdessen war Wildkaffee als minderwertig abgestempelt und wurde äthiopischen Billigsorten untergemischt. Inzwischen gibt es aber Wildkaffeeprojekte, die den Schutz der bedrohten äthiopischen Regenwälder erreichen wollen, indem das Sammeln der Kaffeekirschen den ansässigen Bauern ein existenzsicherndes Einkommen bietet. Wegen des sorgfältigeren Umgangs mit den Kaffeefrüchten erzielen die Projekte oft eine ausgezeichnete Qualität. Der Wildkaffee ist nicht zu verwechseln mit sogenanntem Waldkaffee, der aus kaffeebaumgerecht „umgebauten“ Forsten und nicht aus der Wildnis stammt.

In Äthiopien ist die traditionelle Kaffeezeremonie ein Zeichen für die tiefe kulturelle Verwurzelung des aromatischen Getränks. Sie gilt als Geste der (Gast-) Freundschaft und kann Stunden dauern. Zuerst werden frische Kaffeebohnen in einer Pfanne über einem kleinen Holzkohlefeuer geröstet, wobei sich ein anregender Duft ausbreitet. Dabei wird die Pfanne so bewegt, dass sich die Silberhäutchen von den Bohnen lösen. Sobald sie glänzend schwarz sind, werden sie mit einem Mörser zerstoßen und zermalmt. Das körnige Pulver wird in eine kugelbäuchige Tonkanne mit heißem Wasser gegeben. Der Sud wird mehrmals durch ein Sieb gegossen und anschließend in zierlichen Porzellanschalen serviert. Auch das Einschenken erfordert viel Übung, denn die heiße Flüssigkeit wird aus ungefähr dreißig Zentimetern Höhe ohne Absetzen eingegossen. Wer in Äthiopien zum traditionellen Kaffeetrinken eingelanden wird, sollte mindestens drei Schälchen zu sich nehmen. Eer weniger trinkt gilt als unhöflich, denn erst die dritte Runde soll dem Haus und damit dem Gastgeber Segen bringen. In einigen Gegenden Äthiopiens trifft man sich dreimal täglich zur Kaffeezeremonie, die somit besonders auf den Dörfern ein wichtiges soziales Bindemittel ist.