Partner im fairen Kaffeehandel

Kaffee gehört nach wie vor zu den wichtigsten Devisenquellen der Region. Neben Tansania wird fair gehandelter Kaffee in Ostafrika auch in Äthiopien, Uganda, Kenia und Ruanda angebaut. Außerhalb des Fairen Handels haben viele Kleinbauern keine andere Wahl, als ihre Ernte an Zwischenhändler zu verkaufen, die ihnen zu wenig zahlen und sie darüber hinaus oft versuchen, mit falschen Gewichten zu betrügen. Zahlreiche Bauern in der Region verfügen nur über winzige Parzellen, die Kaffeebohnen im Gegenwert von wenigen hundert US-Dollar im Jahr abwerfen. Dank des Fairen Handels sind nicht nur die Einnahmen stabiler und höher geworden. Er ermöglicht vielen Kleinbauern auch, etwas Land hinzu zu kaufen.

Die Region am Kilimandscharo ist dicht besiedelt, weil reichliche Niederschläge auf fruchtbaren Boden fallen. Viele kleinbäuerliche Familien bestreiten hier ihren Lebensunterhalt. Am Fuß des höchsten Berges Afrikas werden Kaffeekirschen auch für den Fairen Handel angebaut, etwa von den mehr als 90 Kooperativen, die im Verband KNCU organisiert sind, der Kilimanjaro Native Co-Operative Union (KNCU). Prämien und verlässliche Preise im Fairen Handel erlauben der KNCU eine besondere Freiheit: Ein großer Teil der Erträge ihrer Mitglieder wird nicht über den Fairen Handel sondern über die tansanische Kaffeebörse verkauft und ist einem stark schwankenden Preis ausgesetzt. Rutscht er zu weit in den Keller mischt sich ein Vertreter der betroffenen, in der KNCU organisierten Kooperative unter die Kaufinteressenten, bietet auf die Ernte seiner Kooperative mit und treibt den Preis so etwas nach oben. Dank der fair gehandelten Kaffeemengen können die Mitglieder der KNCU das Risiko in Kauf nehmen, am Ende auf dem „eigenen“ Kaffee sitzen zu bleiben.

Eine andere Erfolgsgeschichte schrieben rund 80.000 Kaffeebauern, die sich am Rande des Viktoria-Sees im Nordwesten Tansanias zur Kagera Cooperative Union (KCU) zusammenschlossen. Die Kooperative ist die älteste ihrer Art in Tansania und ging schon 1958 einen außergewöhnlichen Weg: Sie begann, den lohnenden Wertzuwachs durch die Weiterverarbeitung des Rohstoffs abzuschöpfen und baute mit Unterstützung der tansanischen Regierung eine Fabrik für getrockneten Kaffee-Extrakt. Der Betrieb ist einzigartig in ganz Zentralafrika. Inzwischen ist die KCU im Zuge eines langsamen Privatisierungsprozesses auch als Eigentümerin an der Fabrik beteiligt. Von der Tanganyika Instant Coffee Company werden immerhin drei Prozent des tansanischen Kaffees verarbeitet. Der Kaffee, der von den Mitgliedern der KCU geerntet wurde, geht zu 15 Prozent in die Fertigkaffee-Produktion ein. Ein Teil des Instantkaffees wird über den Fairen Handel abgesetzt, darunter auch eine Sorte aus biologischem Anbau.

Ende der 90er Jahre schlossen sich in Äthiopien mehr als 112.000 kaffeebäuerliche Familien zu Produzentengruppen zusammen, die sich wiederum in 35 Mitgliedskooperativen zusammentaten und mit der Oromia Coffee Farmers Cooperative Union (OCFCU) eine Vereinigung gründeten. Anlass für diese bemerkenswerte Selbstorganisation war die anhaltende Krise des Kaffee-Weltmarkts. Durch das Zusammenballen ihrer Verhandlungsmacht erhofften sich die Bauern, ihren hochwertigen Kaffee besser vermarkten zu können. Die OCFCU bemüht sich außerdem um die schrittweise Umstellung auf eine nachhaltige Landwirtschaft. So ist der von der Fairhandelsorganisation El Puente angebotene Oromia-Kaffee nicht nur fair gehandelt sondern auch bio-zertifiziert.