Sklavenhandel in der Karibik

Mit Kolumbus' Ankunft an den hellen Karibikstränden, begann für die amerikanische Urbevölkerung ein finsteres Kapitel. In der Karibik waren vor allem Indigene vom Stamm der Arawak heimisch, allein auf Kuba lebten bei Kolumbus Eintreffen zwischen 100.000 und 300.000 von ihnen. Sie betrieben Ackerbau und Fischfang, waren geübte Jäger und Bootsbauer – und handelten mit Gold. Schon 150 Jahre nachdem der erste Europäer an Land gegangen war, lebten von den einstigen Bewohnern nur noch zwischen 1.000 und 5.000 Arawaks. Die anderen waren der Skrupellosigkeit der Konquistadoren zum Opfer gefallen, die auch vor Massakern nicht zurückschreckten, oder von einer eingeschleppten Krankheit dahingerafft worden. Unter anderem wurden sie auf Zuckerrohrplantagen zur Arbeit gezwungen, oft bis zur völligen Entkräftung.

Die Spanier waren nicht die einzigen, denen der amerikanische Doppelkontinent nicht länger verborgen geblieben war. Auch die Portugiesen stießen auf der Suche nach einem Seeweg nach Indien auf das Neuland, und zwar in Brasilien. Auch sie zwangen Einheimische zur Plackerei. Noch im 15. Jahrhundert wurde der Punkt erreicht, an dem es nicht mehr genug „Indianer“ gab, um die sich ausbreitenden Kaffee- und Zuckerplantagen mit Sklavenkraft bewirtschaften zu können, so dass schon 1501 die ersten afrikanischen Sklaven die Neue Welt erreichten.

Unter anderem wegen einer päpstlichen Verfügung – bestimmte Anweisungen des katholischen Kirchenoberhaupts hatten damals Rechtscharakter – genoss Portugal eine monoplistische Stellung als Kolonialmacht in Westafrika und damit auch über den Handel mit afrikanischen Sklaven. Nachdem sich im Zuge der durch Martin Luther ausgelösten Reformation jedeoch mehrere europäische Länder von der Katholischen Kirche losgesagt hatten, wurde den Portugiesen die Vormachtstellung in Westafrika streitig gemacht. Zuerst stieg England in den westafrikanischen Sklavenhandel ein. Erster englischer Sklavenhändler war der Admiral und Freibeuter John Hawkins, der 1562 eine Ladung mit 300 Sklaven von Sierra Leone in die Karibik nach La Española brachte. 1597 vertrieben die Holländer die Portugiesen vollends aus Westafrika und bemächtigten sich so ebenfalls wichtiger Standorte für den Sklaventransport nach Amerika.

Unterweil nisteten sich in der Karibik neben Spanien weitere Kolonialmächte ein: es folgten Frankreich, die Niederlande und England. Mit der Ausweitung von Kolonien und Plantagen stieg der Bedarf an Arbeitskräften, der Sklavenhandel blühte immer weiter auf. Afrikanische Händler führten den Europäern die menschliche Ware zu. Sie wurde gegen Dinge wie Waffen eingetauscht. Bei vielen versklavten Menschen handelte es sich um Kriegsgefangene. Je einträglicher das Geschäft aber wurde, desto häufiger gab es Raubzüge, die das alleinige Ziel hatten, Menschen zu erbeuten. In der Karibik wurden die Sklaven gegen andere Waren getauscht, wie Tabak oder Zucker, die dann wiederum gewinnbringend in Europa abgesetzt wurden, wo Sklavenhändler jene Güter aufnahmen, die sie in Westafrika zu Menschen machen konnten. Dieser transatlantische Dreieckshandel war extrem lukrativ – der Gewinn war teilweise doppelt so hoch wie die Ausgaben. Historiker schätzen, dass dabei ungefähr 30 Millionen Afrikaner verschifft wurden, von denen etwa die Hälfte entweder während der Überfahrt oder in den ersten drei Monaten nach der Ankunft in Amerika verstarb. Ab Beginn des 19. Jahrhunderts wurde der Sklavenhandel nach und nach verboten und damit zumindest offiziell abgeschafft.