Kult und Kirche: Mischglaube Santería

Auf Kuba wurde wie in anderen sozialistischen Staaten auch der Atheismus gefördert. Dennoch sind mehr als 40 Prozent der Kubaner christlichen Glaubens, die meisten davon sind Katholiken. Hinzu kommen 35 Prozent Spiritisten, die übrigen sind konfessionslos. „Entweder oder?“ ist in der Karibik in Sachen Religion aber nicht immer die passende Frage. Viele Gläubige sind sowohl in der christlichen als auch in afrokubanischen Spiritualität zuhause. Beide Richtungen sind inzwischen teilweise auch soweit miteinander verschmolzen, dass sie in der „Santería“ eins geworden sind. Wobei diese ihre Wurzeln eindeutig in afrikanischen Kulten hat. Deren Gottheiten, die Orishas, wurden anfangs mit christlichen Heiligen „maskiert“, um den eigenen Glauben vor der gewaltsamen Christianisierung zu schützen. Indem afrikanische Sklaven nach außen hin etwa Franz von Assisi verehrten, priesen sie dabei insgeheim Orunmila, ihre Gottheit der Weisheit. Die Heiligen erlangten also eine weitere Dimension. Christen, die auch Anhänger der Santería sind, nehmen an der doppelten Verkörperung von Gottheit und Heiligem/Heiliger in ein und derselben Figur keinen Anstoß. Viele Kubaner haben kleine, bunt geschmückte Hausaltare für ihre Schutzgottheit eingerichtet, an dem sie ihr Opfer darbringen. Die Gottheit kann dabei durch eine Heiligenfigur dargestellt sein, kann aber genauso gut durch einen polierten Stein symbolisiert werden. Zur Santería gehört auch das Zutrauen in Wunderheiler und Zauberinnen (Santeros und Santeras), die mit ihren Ritualen und Künsten die Zukunft orakeln oder Krankheiten heilen können sollen.