Kuba: Alltag mit Mängeln

Straßenkreuzer der kubanischen Mangelwirtschaft, Foto: iStock

Lichtschalter aus leeren Zahnpastatuben, noch heute fahrende Straßenkreuzer aus den 50er Jahren und vor allem ein großes persönliches Netzwerk, in dem jeder jedem irgendeinen Gefallen schuldet: Mangelwirtschaft macht erfinderisch und Kubaner gelten als das wohl findigste Volk der Welt. Gewitzte Ideen und erstaunliches Improvisationstalent sind Teil des Alltags in einem Land, wo ständig vom meisten zu wenig da ist. Seit dem Zusammenbruch des sogenannten Ostblocks ist die kubanische Wirtschaft weiter verkümmert. Nicht bloß fielen Absatzmärkte flach, auch wichtige (Hilfs-) Lieferungen vor allem aus der ehemaligen Sowjetunion blieben aus. Dazu gehörten Erdöl und wichtige Ersatzteile für Maschinen. Doch Kuba ist darauf angewiesen, Waren aus dem Ausland zuzukaufen. Das fängt bei Lebensmitteln an – nur Waren wie Zitrusfrüchte und Zucker wachsen auf der Insel in für die Bevölkerung ausreichender Menge. Für den Zukauf aber braucht es Devisen. Auch nach dem Ende des Kalten Krieges hielten die USA stur am Wirtschaftsembargo gegen Kuba fest. Was dort Mitte der 90er Jahre zu einer handfesten Versorgungskrise führte. Erst nach dem Amtsantritt von US-Präsident Barack Obama wurde das Handelsembargo gelockert. Kubanoamerikaner dürfen nun zum Beispiel wieder einmal jährlich ihre Angehörigen auf Kuba besuchen.

Ersatzweise vertiefte Kuba inzwischen die Handelsbeziehungen mit Venezuela und China. Außerdem zeichnet sich zögerlich eine wirtschaftspolitische Öffnung Kubas ab. Im September 2010 kündigte die Regierung an, einerseits eine halbe Million Arbeiter im staatlichen Sektor entlassen zu wollen und auf der anderen Seite eine kontrollierte Marktöffnung zuzulassen, um das Gründen und Wachsen kleiner und mittelständischer Privatunternehmen zu fördern.

Mit Öko-Anbau aus der Hungerkrise?

Die wirtschaftliche Isolierung Kubas, die bis Mitte der 90er Jahre zu einer dramatischen Versorgungskrise führte, verengte auch das Angebot landwirtschaftlicher Produktionsmittel: Kuba verlor 80 Prozent seiner Importe an Dünge- und Pflanzenschutzmitteln sowie die Hälfte seiner Erdöl-Einfuhren. Der hochtechnologisierte Agrarsektor stand vor dem Kollaps, im elf-Millionen-Staat drohte eine katastrophale Hungersnot. Kuba war gezwungen, Landwirtschaft neu zu denken und fand einen Weg: Aus Mangel an Agrarchemie wagte Kuba die größte jemals versuchte Umstellung auf ökologischen Anbau.

Die Initiatoren des Vorhabens, die „Grupo de Agricultura Organica“ (GAO), bekamen dafür 1999 den Alternativen Nobelpreis („Right Livelihood Award“). GAO brachte Bauern, Farmmanager, Fachleute, Forscher und Regierungsvertreter an einen Tisch, um biologische Anbaumethoden weiterzuentwickeln und zu verbreiten. Sowohl Landwirte als auch Politiker galt es mühevoll zu überzeugen, dass herkömmliche Methoden wegen ihres hohen Bedarfs an fabrizierten Hilfsmitteln zu abhängig von Importen machten und zu umweltschädlich waren, um nachhaltig zu sein. Und vor allem davon, dass der biologische Anbau in der Lage ist, ebenso gute Erträge zu erzielen. Der ökologische Anbau zeigte sich als wichtiges Instrument für Kuba dabei, die schlimmsten Folgen der Versorgungskrise abzuwenden. GAO hofft, dass durch ihr Engagement auch andere Länder erkennen, dass konventionelle Landwirtschaft nicht der einzige Weg ist, um eine Bevölkerung aus eigener Kraft zu ernähren. Beim kubanischen Ökolandbau werden bewährte, traditionelle Methoden mit neuesten Erkenntnissen der Biotechnologie verbunden.

Die großen kubanischen Umweltprobleme allein – teils gelangen Düngemittel sogar ins Grundwasser – wären aber wohl kaum Anlass für das Ökolandbau-Experiment gewesen. Wie in anderen Teilen Lateinamerikas ist auch auf Kuba das Umweltbewusstsein noch sehr schwach ausgeprägt.