Zertifizierung

Der überaus erfolgreiche industrielle Einsatz von Palmöl wird bereits seit Jahren begleitet von harscher Kritik von Umwelt-, Hilfs- und Menschenrechtsorganisationen an den katastrophalen ökologischen und sozialen Auswirkungen des Ölpalmen-Anbaus. Die Umweltorganisation World Wide Fund for Nature (WWF) gründete aus diesem Grund 2004 den „Runden Tisch für nachhaltiges Palmöl“ (Roundtable on Sustainable Palm Oil, RSPO), um nachhaltigere Methoden für den Ölpalmenanbau durchzusetzen. Zu den Mitgliedern des Runden Tisches gehören vor allem Unternehmen wie Unilever, BASF, Lidl, Kaufland, REWE, Henkel und die Beiersdorf AG , aber auch die Hilfsorganisation Oxfam. Mit dabei ist auch utz certified, eine Organisation, deren Label unter anderem einen fairen Anbau von Kakao verspricht.

Kritik am RSPO

Der RSPO geriet in den vergangenen Jahren immer stärker in die Diskussion. Umweltorganisationen wie Greenpeace, Rettet den Regenwald und Robin Wood kritisieren zu schwache Kriterien und mangelnde Kontrollen. RSPO-zertifizierte Unternehmen rodeten den Urwald illegal weiter. Außerdem würden zwar hin und wieder Inseln ursprünglichen Regenwalds stehen gelassen, diese seien aber zu klein, um ein stabiles ökologisches Gleichgewicht erhalten zu können. Landraub und die Vertreibung indigener Völker seien weiterhin an der Tagesordnung. Noch immer würden Sümpfe für Plantagen trocken gelegt, obwohl dies seit 2008 verboten sei. Der RSPO betreibe letztlich „Greenwashing“ für große Unternehmen wie beispielsweise Unilever, das rund drei Prozent des jährlich produzierten Palmöls verarbeitet.

WWF fordert Verbesserungen

Der WWF argumentiert dagegen, RSPO sei kein Öko-Siegel, sondern formuliere lediglich Mindestanforderungen an den Ölpalmenanbau. Er fordert Verbesserungen der RSPO-Kriterien, wie ein Verbot von Pestiziden und einen Stopp der Umwandlung von Torfböden in Plantagen, weil vor allem diese Praxis sehr viel klimaschädliche Treibhausgase freisetzt.

Schwellenländer interessieren sich nicht für eine Zertifizierung

Andere Stimmen weisen darauf hin, dass bislang erst rund 14 Prozent der weltweiten Palmöl-Produktion zertifiziert sei. Vor allem Schwellenländer wie Indien und China, die die Hauptabnehmer für Palmöl sind (→ Palmöl in der Industrie), hätten kaum Interesse an einer Zertifizierung, schreibt Günther Bachmann, Generalsekretär des von der Bundesregierung berufenen Rates für nachhaltige Entwicklung, in einer Antwort auf einen offenen Brief der Organisationen Rettet den Regenwald und Robin Wood. Die Verantwortung für den Schutz für Minderheiten liege vor allem bei den Regierungen der Anbauländer. Ein Unternehmen wie Unilever, das bis 2015 seine gesamte Produktion auf zertifiziertes Palmöl umstelle, daran arbeite, die Herkunft des Palmöls rückverfolgbar zu machen und darüber hinaus Kleinbauern mit in diese Lieferkette aufzunehmen, sei durchaus ein geeigneter Kandidat für den Deutschen Nachhaltigkeitspreis 2012.

Debatte um "RSPOplus"

Derzeit läuft noch eine Debatte für einen höheren Zertifizierungsstandard („RSPOplus“). Ein Vorschlag dafür ist die Kombination von bisherigen RSPO-Kriterien mit denen des ISCC (International Sustainability and Carbon Certification) und von der Umweltschutzorganisation Rainforest Alliance.

Links:

Roundtable on Sustainable Palm Oil (RSPO): http://www.rspo.org/

WWF zum RSPO: www.wwf.de/themen-projekte/landwirtschaft/produkte-aus-der-landwirtschaft/runde-tische/runder-tisch-palmoel/

Offener Brief von Rettet den Regenwald und Robin Wood zur Nominierung von Unilever für den Deutschen Nachhaltigkeitspreis: https://regenwald.org/files/2012.11.22._RdR-RW_Offener-Brief_an_Stiftung_Dt._Nachhaltigkeitspreis.pdf

Antwort von Günther Bachmann, Vorsitzender der Jury des Deutschen Nachhaltigkeitspreises, auf den Brief von Rettet den Regenwald und Robin Wood: www.nachhaltigkeitspreis.de/files/20120029_bachmann_antwort_nominierung_dnp.pdf