Wer sich engagiert

Ein gutes Drittel aller Deutschen engagiert sich ehrenamtlich, nämlich rund 25 Millionen Menschen. Europaweit sind es 100 Millionen. Und das Ehrenamt hat eine lange Tradition: Ursprünglich waren dies tatsächlich besondere Ämter, die auszuüben eine besondere Ehre war für Adelige, Fürsten und später auch das Bürgertum. Dabei ging es zum Beispiel um besondere Funktionen innerhalb von Kaufmanngilden oder eine Arbeit als Laienrichter. Daneben spielte vor allem in Kirchen der Begriff der Mildtätig- und Barmherzigkeit eine große Rolle. Besonders bekannt in dieser Rolle wurde Elisabeth von Thüringen, die ihr gesamtes Leben in den Dienst bedürftiger Menschen stellte. Mit der Industrialisierung, als Teile der Bevölkerung verarmten, entstanden Vereine, die dieser Armut Abhilfe schaffen sollten, und daraus später die soziale Arbeit. Jetzt wurden früher ehrenamtliche Tätigkeiten in den Vereinen und Organisationen plötzlich von Hauptamtlichen erledigt, und das Ehrenamt wurde zu einer freiwilligen sozialen Hilfstätigkeit.

Heute engagieren sich Menschen besonders häufig in Sport- und Freizeitvereinen, für Kinder und Jugendliche oder auch innerhalb der Kirche. Je höher der Bildungsabschluss, desto größer das Engagement. Besonders viele Engagierte gibt es im Süden Deutschlands, sehr viel weniger dagegen im Nordosten, Schlusslicht bildet Berlin. Möglicherweise ist im Osten das Vertrauen geringer, an gesellschaftlichen Prozessen durch eigenes Engagement etwas verändern zu können.

Engagement Bundesländer

Insgesamt lässt sich beobachten, dass immer weniger Menschen bei traditionellen Einrichtungen wie Feuerwehr oder dem Deutschen Roten Kreuz mitarbeiten wollen. Attraktiver sind inzwischen Bürgerinitiativen, Selbsthilfegruppen und kurzzeitige Aktionen. Hier sind die Gestaltungsspielräume für den Einzelnen größer, das Ganze ist thematisch und zeitlich einigermaßen klar überschaubar und passt so besser in die moderne, Flexibilität fordernde Arbeitswelt.