Handel mit Orangensaft

Fast ein Drittel aller weltweit angebauten Orangen wird nicht als Frischfrucht gehandelt, sondern weiter verarbeitet zu Fruchtsaft. Im Jahr 2011 wurden hierfür gut 23,9 Millionen Tonnen Orangen gepresst, also gut ein Drittel der gesamten Welternte. Pro Jahr trinken deutsche Verbraucher etwa acht Liter Orangensaft und -nektar.

Der brasilianische Staat São Paolo ist weltweiter Spitzenreiter in Produktion und Export, mit achtzig Prozent globalem Anteil. Die Europäische Union ist Hauptabnehmer des süßen Zitrussaftes, allen voran Deutschland.  Durchschnittlich trinken Verbraucher hier etwa acht Liter Orangensaft und - nektar pro Jahr. Er ist fast immer brasilianischer Herkunft.

Marktmacht Brasilien

Der Aufschwung des brasilianischen Orangenanbaus begann Mitte der 1960er Jahre und ist unmittelbar an die dortige Saftindustrie geknüpft. Unter den ersten Unternehmen der Branche waren auch US–amerikanische Orangenproduzenten, die nach einem verheerenden Frost in Florida 1962 die ersten Zitrusplantagen und später auch Verarbeitungsfabriken in São Paulo gründeten.

Insgesamt gab es bis Ende der 90er Jahre noch 17 große Unternehmen, die sich den Markt teilten. Heute existieren nur noch 3 Großfabriken (CUTRALE, CITROSUCO, Louis Dreyfus Commodoties), die den Weiterverarbeitungsmarkt für Orangen dominieren. Der Anbau der Früchte erfolgt hingegen noch fast ausschließlich über kleinbäuerliche Betriebe.  

Die Kleinbauernfamilien stehen der Übermacht der großen Weiterverarbeitungs- und Exportunternehmen gegenüber, die weltweit 75 Prozent des Orangenhandels steuern, in Brasilien sogar 90 Prozent.

Die Preise, die sie den Bauern für die Orangen bezahlen sind oft so niedrig, dass diese davon kaum die nötigen Kosten bestreiten können, um die Wirtschaft auf den Plantagen aufrecht zu erhalten. Zusätzlich müssen sie mit Großgrundbesitzern konkurrieren. Die landwirtschaftlichen Flächen sind in Brasilien sehr ungleich verteilt. Viele Orangenplantagen wurden von den marktführenden Unternehmen aufgekauft. Noch gibt zwar viele Kleinbauern, aber sie besitzen lediglich ein Zehntel der Orangenbäume. Der überwiegende Teil gehört der Agrarindustrie, die bessere Organisations- und Infrastrukturen hat und billiger produziert.  Sie regelt auch, über eigene Schiffsflotten, den internationalen Seetransport. Die Kleinbauern finden unter diesen Umständen nur erschwert Zugang zum Markt.

Die Folgen sind schlechte Löhne,  fehlende Sozialleistungen und verlassene Plantagen. Die Zahl der kleinen und mittelgroßen landwirtschaftlichen Obstbetriebe ist seit 2003 von 29000 auf 17000 zurückgegangen. Viele Bauern verarmen und werden zu Landlosen.